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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 280

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die hebräische Universität
Date
1913-08-22
Page
Seite 280 (sequence 3)
Language
German
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L. Chasanowitsch, Die hebräische Universität 279 Wann glaubt man denn, daß in Palästina Möglichkeiten entstehen werden für die Hunderte Doktoren, die alljährlich von der dortigen Universität gebacken werden müßten? Der neue Jischuw in Palästina hat noch ganz zwerghaften Charakter. Die Bevölkerung der jüdischen Kolonien (Bauern, Arbeiter, Händler usw.) beträgt noch keine 10000 Menschen. Für diese minimale Siedlung, die kaum die Einwohnerzahl einer mittleren Judenstadt Qaliziens erreicht, baut man Gymnasien, ein Technikum und plant jetzt sogar eine Universität!! Das hebräische Gymnasium in Jaffa ist noch immer eine gar unreife Sache. Ich will den großen Idealismus seiner Gründer und Leiter gar nicht in Frage stellen. Aber der Ritter Don Quichote war sicherlich kein geringerer Idealist, und auch die Leiter unserer altfränkischen J'schiwos brauchet* sich in dieser Beziehung nicht vor den Gründern des hebräischen Gymnasiums zu schämen. Es handelt sich gar nicht um die persönlichen Motive, aus denen heraus die Gründung des Gymnasiums erfolgte, sondern darum, ob diese Einrichtung jemals eine beträchtliche und günstige Wirkung auf die jüdische Siedlung auszuüben vermag. Ich leugne das, denn wohin sollen sich die Absolventen dieser Mittelschule wenden? Ueberallhin in die weite Welt, — nur nicht nach Palästina selbst. Für so viele Intelligenten, wie sie das Jaffaer Gymnasium alljährlich entläßt, ist im Lande kein Platz. Für die simple, praktische Arbeit sind die Schüler einer Mittelschule fast auf immer verloren; sie kehren nicht in die Kolonien zurück, um sich dort in der elterlichen Wirtschaft zu beschäftigen. Sie werden notgedrunger ihr Glück anderswo suchen müssen. So muß das Gymnasium — selbstverständlich gegen den Willen seiner Gründer — eine Abwanderung der jungen Intelligenz verursachen, so etwas wie einen geistigen Aderlaß der neuen Siedlung. Diese Wirkung des Jaffaer Gymnasiums soll nun vertieft und bis zu Ende geführt werden durch das Technikum und die zu gründende Hochschule. Man sieht, in den Unfug soll System kommen. Nun gibt es einige kluge Menschen, die meinen, das Gymnasium habe darin seine Existenzberechtigung, daß es die Türkei mit intellektuellen Kräften, Doktoren, Technikern usw., versorgen werde. Ueber diese naive Ansicht ist kaum ein Wort zu verlieren: Man will den türkischen Markt mit Export-Intelligenz versorgen, anstatt dorthin landwirtschaftliche oder Industrie-Produkte einzuführen. Aber diese Ansicht ist nicht nur lächerlich — sie ist auch gefährlich, und zwar um so gefährlicher, je größere Erfolge das Technikum erzielt. Denn eine Berufs-Intelligenz, die auf die nichtjüdische Bevölkerung angewiesen ist, wird früher oder später dem Judentum entfremdet werden und der Assimilation zum Opfer fallen, wie es in West-

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