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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 279

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die hebräische Universität
Date
1913-08-22
Page
Seite 279 (sequence 2)
Language
German
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278 L. Chasanowitsch, Die hebräische Universität mit welch untauglichen Mitteln man an die gigantische Arbeit, dem Volk ein sicheres Heim zu schaffen, herangeht* Man mag verschiedener Meinung sein über die Möglichkeit einer bedeutenderen jüdischen Siedlung in Palästina, über die Aussichten des bereits Geschaffenen, man mag den Wert einer derartigen Siedlung für den Golus mehr oder weniger hoch einschätzen — jedenfalls müssen die dortigen Schulen den Bedürfnissen der eingesessenen Juden entsprechen, wenn sich überhaupt gesundes jüdisches Leben im Lande entwickeln soll. Das ist bei keinem gesunden oder gesundenden Volke anders. Tut aber der palastinenseschen Siedlung eine Hochschule not? — Nein und dreimal Nein! Dort fehlen ganz andere Dinge: Volksschulen, modern eingerichtete Chedorim, Musterfarmen, Bibliotheken und Volksbildungsanstalten aller Art. Dies alles aber rührt unsere Volksbeglücker herzlich wenig, weil hierbei ihre Phantasie nicht allzusehr befriedigt wird. Sie fragen sich nicht, was die jungen Menschen, die den Mittel- und Hochschulen Palästinas entwachsen sind, anfangen sollen, ob ihre intellektuelle Kraft dem Lande zugute kommen wird, ob sie trotz Doktortiteln und Diplomen im Lande selbst ihre Existenz finden werden? Es ist aber ein verbrecherischer Leichtsinn, ein intelligentes Proletariat hochzuzüchten, das nimmermehr im Lande ausharren kann. Dieser Leichtsinn war aber bereits bei anderen Gründungen am Werk. Es ist ja der Universitätsgedanke nichts weiter als die konsequente Fortentwicklung jener älteren Absurdität, die in Palästina in ein System gebracht worden ist: er setzt jene Art von Schulgründungen fort, die ohne jede Rücksicht auf die realen Bedürfnisse des Landes erfolgten. Bei normalen Völkern entspricht die Zahl der Mittelschulen der der Volksschulen, und ers+ auf eine bestimmte Zahl Volksschulen entfällt eine Hochschule. Dort besteht also ein bestimmtes Verhältnis in der Gliederung des Schulsystems, und die Zahl der Fachintelligenten entspricht den Bedürfnissen der Volkswirtschaft und dem Stand der nationalen Kultur. Selbstverständlich sind Anstalten für Volksbildung immer erwünscht, aber die Bildung einer Berufs-Intelligenz untersteht dem ehernen Gesetz aller wirtschaftlichen Tätigkeit, und auch hier muß sich möglichst das Angebot durch die Nachfrage regulieren. Wenn man den Gedanken einer Volksuniv e r s i t ä t für Palästina im Sinne hat, ist das kaum ein so müßiges Spiel, wie wenn man mit dem Plan einer Hochschule für Berufsintelligenzen kokettiert.

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