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Die Freistatt · 1913-08-22 · Heft 5 (22.8.1913) · p. Seite 278

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (22.8.1913)
Article
Die hebräische Universität
Date
1913-08-22
Page
Seite 278 (sequence 1)
Language
German
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L. Chasanowitsch, Die hebräische Universität. 277 Die hebräische Universität. Von L. Chasanowitsch (Kasriel). Der Gedanke ist absurd, sehr absurd, und so wird er natürlich wrohl abgelehnt? — — nein, freudig angenommen werden. Ich rede von dem Plan, in Jerusalem eine jüdische Hochschule zu gründen. Alle „kompetenten Instanzen", alles also, was in unserem nationalen Weltchen als sachkundig patentiert ist, stimmt dem Plane zu. Der geht auf jene Hirne zurück, die dem jüdischen Volke schon so manche hübschen Projekte erdacht haben, auf jene Doktoren, die im Hellen der jüdischen Leiden Spezialisten sind. Schon jubelt „das jüdische Volk" dem Plane zu, d. h. ein kleines Häufchen Studenten (die Doktoren von morgen, die jetzt schon 30 Jahre jüdische Geschichte machen) ist nicht abgeneigt . . . Dem Aktionskomitee aber, unserer höchsten und heiligsten nationalen Instanz, ist es gar nicht so unerwünscht, dem Kongreß mit etwas Kultur aufwarten zu können, wo die hohe Politik jetzt so wenig Anziehendes an sich hat. Man beruft doch nicht umsonst einen Kongreß ein; und wann ist denn das jüdische Volksparlament auseinandergegangen, ohne den Plan zu irgend einer grandiosen Gründung dem Volke beschert zu haben? Ganz besonders heute, wo die „Praktischen" am Ruder sind, und überall der realen Arbeit das Preislied gesungen wird. Schließlich muß man den guten Delegierten einen wenn auch nur annähernden Ersatz schaffen für die altgewohnten rhetorischen Genüsse, die sich diesmal nicht darbieten wollen. So ist 10 gegen 1 zu wetten, daß der Wiener Kongreß dem Plane begeistert zustimmen wird. Damit ist die hebräische Hochschule in Palästina fix und fertig; — es braucht nur noch gebaut zu werden. Wirklich, die Unsinnigkeit einer Idee bietet wenig Garantie gegen ihre Verwirklichung. Warum ich den Plan für unsinnig halte? Bei einem Volk mit fünf gesunden Sinnen würde kaum jemand diese Frage stellen. Was will der Zionismus? Er will in Palästina eine ökonomisch, politisch und kulturell gesunde Stätte für Juden schaffen. Ist die heutige zionistische Organisation, sind ihre mannigfachen Gründungen für und in Palästina auf dem rechten Weg zu diesem Ziel? Man braucht nur das neue Universitäts-Projekt wie überhaupt die bisherigen Schulgründungen, und was sonst von zionistischer Seite aus für Palästina geschieht und noch häufiger unterbleibt, näher zu besehen, um sich zu überzeugen,

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