Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Oppositionen
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 276 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Davis Trietsch, Oppositionen 275 Wanderung und der Palästina-Arbeit In diesen Hinsichten ist mein Standpunkt demjenigen, den Herzl in der {wie ich es oben nannte) zweiten Höhezeit seiner zionistischen Arbeit einnahm, viel naher als dem der heutigen Leitung. Denn Herzl wollte — auch auf dem bisher von ihm bekämpften Gebiete — großzügig arbeiten, während die jetzige Leitung vor wirklich großer Arbeit geradezu Angst zu haben scheint. In seinem Buche vom „Unfug des Sterbens'* findet Prentice Mulford das schöne Wort: Denken: „ich kann nicht" heißt, jeder Möglichkeit den Riegel vorschieben, — Unsere jetzige Leitung meint, mehr könne man nicht, als sie tut, und da sie das meint, ist ihr auch mehr zu tun — wesentlich mehr, schnell mehr — nicht möglich. Da ist mir HerzPs Wagemut sympathischer. Bremsen können viele, und in der tatsächlichen Arbeit bremsen meist auch schon die dinglichen Widerstände genug. Mit einer Organisation, die nur aus Zuschauern, Fahrgästen und Bremsern besteht, kommt unser Zug nicht vorwärts. Freilich ist HerzPs Absicht, im Herbst 1903 die Aktion in El Arisch und die Organisation der Auswanderung in Berlin zur Tat werden zu lassen, daran gescheitert, daß er meinte, die Sache in jenem Stadium noch allein oder jedenfalls ohne gute Fühlungnahme mit mir „managen" zu können. So konnte es kommen, daß er erstens den El-Arisch-Plan am falschen Ende aufgriff (in der pelusinischen Ebene, statt an der palästinensischen Grenze), und daß er den in kolonisatorischen Dingen nicht ganz unerfahrenen Engländern damit kam, er wolle im ersten Jahre schon 20 000 Familien (etwa 100000 Seelen) ansiedeln. Damit war die Sache für die Engländer erledigt. Damit fiel El Arisch. Der ausreichend gute Bericht ergab plötzlich keine Möglichkeiten, und als ein schlechter Wind noch die rumänische Witwe in das schlechte Wiener Bureau wehte, gewannen wieder Einflüsse die Oberhand, die das geplante Zusammenwirken verhinderten. Seitdem haben wir nur mehr oder weniger mutlose Leute in der Leitung. Der einzige Mann mit großem Wollen, der auf dem siebenten Kongreß in die Leitung gewählt wurde, Ussischkin, wurde gehindert, sein Amt anzutreten, und Wolffsohn eskamotierte den Sitz der Leitung von Berlin nach Köln und entzog sie damit einer positiv-palästinensischen Beeinflussung. Die Mutlosigkeit unserer Leitungen seit Herzl beziehe ich selbstverständlich auf die hier zur Diskussion stehenden Fragen der Einwanderung und der Palästina-Arbeit. In der Aggressivität