Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Oppositionen
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 275 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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2li Davis Trietsch, Oppositionen, worden war. Dort sagt Nordau ziemlich klar, daß von einem Autonomie-Angebot der Engländer für Uganda nie die Rede gewesen wäre, aber Herzl, der damals schon krank war, hätte auf der falschen Auffassung bestanden-*) Was Nordau sich übrigens schon geleistet hat, auf Kongressen zu sagen (und was die Herren Volksvertreter begeistert schluckten — von dem Premierenpublikum der Galerie, das an den Lippen des Primadonnerichs förmlich hing, ganz zu schweigen), läßt mir schon seit Jahren die Befürchtung aufkommen, daß wir an ihm einmal erleben können, was die päpstliche Kirche an Leo Taxil (zwerchfellerschütternden Andenkens) erlebt hat ... . Aber auch diese neuesten Oppositionsgelüste der Pariser Dioskuren sind nicht Hauptgegenstand unserer heutigen Ausführungen, sondern die mangelnde Tätigkeit der zionistischen Organisation auf dem Gebiete der Ein- *) Die „Welt" vom 10. Februar 1905 berichtet folgende Aeußerungen Nordaus über die Uganda-Affäre: „Der eigentliche Widerspruch, der seitens der Nichtzionisten gegen das Projekt geltend gemacht wurde, basierte auf dem Umstände, daß man da von einer „autonomen jüdischen Siedlung" sprach. Nun, ich persönlich habe nie an die Notwendigkeit dieses Ausdrucks geglaubt, aber mein Freund Herzl, der damals bereits krank war, bestand darauf und betonte diesen Ausdruck. Aber was bedeutet eigentlich dieser Ausdruck, und wozu dient er? Wenn die Siedlung von jüdischer Bevölkerung bewohnt sein wird, dann wird diese das Recht haben, ihre eigenen Gesetze zu bilden, wie es in jeder anderen englischen Kolonie der Fall ist. Das ist die Bedeutung des Wortes „autonom". Es ist nicht bloß überflüssig, sondern angesichts der Gegnerschaft, die es hervorgerufen hat, auch unangemessen." Aus derselben Stelle wird ersichtlich, daß Nordau meinte, man könne von den Engländern einen Charter für Uganda bekommen ohne Kosten, Risiko und Verpflichtungen! Wonn man ihn hätte, könne man ihn dann an wirklich leistungsfähige Körperschaften weitergeben. Nachschrift: Soeben höre ich von Nordaus und Marmoreks besonderer Fa^on, Herzls Jahrzeit zu feiern. Nicht für Herzl, sondern gegen die jetzige Leitung. Herzls Jahrzeit ist dafür da — so geht es aus den Berichten über die Pariser Versammlung hervor — ein Auditorium zusammenzutrommeln, das dann ,,ä Berlin" geführt werden soll. Ein paar Läppereien wurden geltend gemacht, mit Geheimnissen wurde gewunken. Alle Disziplin und Subordination (Nordau wollte immer nur Herzls „Soldat" sein) ist zum Teufel. Mit Gott (nicht wahr, Herr Dr. Nordau) für Wolffsohn und gegen das Vaterland! Und das Ist der Herr Altmeister, dessen Kommen oder Nichtkommen zum Wiener Kongreß seit Monaten das beherrschende Thema der jüdischen Presse und der zionistischen Diskussion ist, so daß für Einwanderung und Kolonisation kein Platz übrig blieb.