Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Oppositionen
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 274 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Davis Trietsch, Oppositionen. 273 dafür einzutreten." Er kannte den Kongreß und sein „Niveau", Wenn es schließlich noch wirkliche, tiefgehende „Heldenverehrung" gewesen wäre. Herzl, der seit 1902 einzusehen begann, daß er nur mit seinen „Feinden" wirklich arbeiten könne, konnte in den letzten Monaten seines Lebens nur noch mit Tränen der Wut an gewisse Freunde und Getreue denken. Sind uns nicht Berichte über seine letzten Tage aufgetischt worden, die eine verzweifelte Aehnlichkeit mit dem Bescheid des jüdischen Krankenpflegers der Anekdote haben, der dem behandelnden Arzt auf dessen Fragen erwidert: „Spaß, hab' ich 'ne Nacht gehabt, Herr Doktor!" Die Herrschaften, die mein Wörtchen „Ihr" unter die tausendfache Vergrößerungslupe nahmen (vor wenigen Tagen erst hafs mir ein Patentzionist wieder öffentlich aufs Sündenregister gebucht), sollten sich einmal Herzl's lauteste Freunde näher betrachten. Haben seine Paladine nicht an HerzPs Bahre bereits die Kandidatur Wolffsohns (!) erörtert? Wolffsohns, der in seiner damaligen Bescheidenheit und Selbsterkenntnis*) sich selber für gänzlich außer Frage kommend hielt. Haben seine Freunde nicht unmittelbar nach seinem Tode (ich war entsetzt, als ich es las) eine öffentliche Sammlung zur Sicherstellung der Hinterbliebenen eingeleitet? Mußte er, dessen materielle Selbständigkeit doch ein Grundpfeiler seiner Position in der Bewegung gewesen war, sich nicht „im Grabe umdrehen"? Wäre es nicht wirklicher und taktvoller Freunde — deren Leben durch diesen Tod leer geworden war — einzig würdig gewesen, im engsten Kreise, mit etwas tieferen Griffen in die eigenen Taschen, das Erforderliche zu tun! Oder man lese die späteren „Herzl-Gedenk-Artikel", die vielfach nur mehr oder minder verschleierte Selbstbespiegelungen darstellen. Prototyp dieser Sorte ist, wenn ich nicht noch schlimmere vergessen habe, Alexander Marmoreks Artikel vom Juli 1906, den man in der „Welt" nachlesen kann. Ganz bösartig ist auch ein Artikel von Nordau, in dem er plötzlich aller Weisheit voll ist, die Herzl (mindestens zionistisch) hätte retten können, die aber erst verlautbart wurde, als Herzl tot, und die Bewegung in die tiefste Zerrüttung geschleudert *) Das ist absolut nicht ironisch gemeint Bis er „durch Vergötterung entmenscht" wurde, war er meines Wissens wirklich ein braver Zionist, und in vielen Jahren kann er's vielleicht wieder werden.