Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Oppositionen
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 273 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Davis Trietsch, Oppositionen Dies war es ja auch, was mich auf dem letzten Kongreß veranlaßte, der von mir bekämpften Wolffsohn-Katzenelson- Motzkinschen Auffassung von zionistischen Emigrations-Interessen die mit der meinigen identische Herzische Auffassung — natürlich im anerkennenden Sinne — entgegenzuhalten. Ich tat es mit den zufälligen (aber selbstverständlich meiner Auffassung entsprechenden) Worten: „Ihr großer Führer Herzl hat das anders gemacht." Der Kongreß aber ließ sich durch einen Zwischenruf Wolffsohns davon wegbringen, daß hierin eine Anerkennung Herzl's und eine Kritik Wolffsohn's lag, und ich sollte partout sagen „unser großer Führer", obwohl jeder weiß, wie wenig ich mich von Herzl habe führen lassen, und wie sehr ein solches „unser" eine Lüge und eine Feigheit gewesen wäre. Natürlich wäre das Wort „Ihr" vermeidlich gewesen, aber es ist bezeichnend für den Kongreß, daß er in meinem „Ihr" ein größeres Verbrechen am Zionismus erblickte als in seinem jahrelangen, unüberzeugten Nachbeten des Charter-Krams! Mir war die Emigrationssache so wichtig, daß ich im Eifer des Gefechts einen kleinen Formfehler übersah. Dem Kongreß, der dea Wolffsohn-Katzenelson-Motzkinschen Emigrationsstandpunkt mit dem bei Regierungssachen üblichen Wohlwollen begleitet hatte, war seine eigenste, von mir vertretene Sache nichts, sobald er sich an ein Wörtchen und ein Förmchen klammern und sich darüber entrüsten konnte. Isfs ganz so schlimm? Es ist noch viel schlimmer! Wie wenig der Kongreß seine Sachen, und wie sehr er das Persönliche beachtet, konnte man an jenem Schicksalstage vor zehn Jahren sehen, an dem uns ein hohnvoller Brief des inzwischen zu seinen Vätern versammelten Plehwe als diplomatischer Erfolg, an dem das von englischer Seite erfolgte Nichtangebot einer jüdischen Autonomie in Uganda als Ersatz-Zion, und eine allerlei Zeug faselnde Witwe mit ihren sechs Kindern als dokumentarischer Beweis gegen die Berechtigung einer Kritik gepriesen wurde, „Rauschte" der Kongreß nicht vor Entzücken „hoch auf"? War er nicht begeistert, als verkündet wurde, El Arisch sei nicht brauchbar? Obwohl doch die Einberufung des Kongresses nachweislich unter dem Zeichen der dort geplanten Arbeit geschehen war. Sind auch nur heute jene historischen Dinge den Leuten, die dabei gewesen sind, klar geworden? Damals kam ein Anti-Ugandist zu mir und sagte: „Sie haben's in der Hand, daß Uganda fällt, ... Sie brauchen bloß