Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Oppositionen
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 271 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Davis Trietsch, Oppositionen Die zionistische Palästina-Arbeit ist von einer kleinen Routine diktiert Die Angst vor der persönlichen Verantwortung ist unvergleichlich größer als der Wille, durch tatkräftige Kolonisationsarbeit die Zustände des jüdischen Volkes zu bessern. Das wirtschaftliche Genie der Juden versagt in der Arbeit unserer Organisation in eklatanter Weise. In dieser Hinsicht blamieren wir fortgesetzt die Juden und Palästina. Wenn das aber bei unserer übertriebenen Vorsicht geschieht — in einer Bewegung, die begründet wurde um zu sammeln, was an Mut und Jugend, an Opferfreudigkeit und Feuer noch unter den Juden zu finden sei — so wäre es endlich an der Zeit, dem großen Willen die Führung zu übergeben, anstatt der kleinen Vorsicht, die noch dazu finanziell zu den mäßigsten Resultaten und zionistisch zu einem klaffenden Manko führt Um wieviel ist es weniger als ein absolutes Versagen, wenn offiziell und offiziös verkündet (und danach gehandelt) wird, Palästina sei heute und für absenbare (oder meinethalb für die nächste) Zeit kein Feld für eine jüdische Einwanderung! Dies war der mehr oder weniger verklausulierte Sinn der von Wolffsohn bestimmten, von Katzenelson und Motzkin (!) erstatteten „zionistischen" Emigrations-Referate auf dem letzten Kongreß* Und die gegenwärtige Leitung hat noch in keiner Weise dargetan, daß sie in dieser absolut wichtigsten Frage der ganzen Bewegung den entgegengesetzten Standpunkt einnehmen und dementsprechend arbeiten wilL Allenfalls haben Professor Warburg und Dn Hantke auf dem letzten Kongreß — wenn ich recht berichtet bin, — sich sehr zustimmend zu meiner Zurückweisung der offiziellen Referate geäußert. Mit bloßen Aeußerungen ist aber gerade hier am allerwenigsten getan, A propos — ist die jüdische Einwanderung nach Palästina wirklich die absolut wichtigste Frage der Bewegung? Um die Zeit der Kongresse pflegen die Wahlfragen jedes andere Interesse in den Hintergrund zu drücken, und zwischen den Kongressen gibt es — leider — für die Meisten auch keine anderen Wichtigkeiten, als was die Leitung proponiert. Aber für jeden denkenden Kopf bleibt doch ein Unterschied bestehen zwischen Haupt- und Nebenfragen, und die Einwanderung nach Palästina ist so sehr Hauptsache, daß ihr gegenüber schon das zweitwichtigste Erfordernis (was man auch jeweils dafür halten möge) zur Nebensache wird. Herzl hatte das begriffen. In der zweiten Höhezeit seiner zionistischen Arbeit, die zwischen seinem Verzweifeln am Char-