Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (22.8.1913)
- Article
- Oppositionen
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 270 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Davis Trietsch, Oppositionen. 269 Und doch ist die Zeit der Opposition vielleicht noch nicht vorbei. Wir wollten ein Maximum an Palästina-Arbeit und die besten Leute zu ihrer Durchführung. Wir nahmen das Beste, was wir kriegen konnten, aber es genügt uns heute nicht mehr. Dieses Nichtgenügen gibt die gegenwärtige Leitung selbst zu. Die meisten Regierungen nennen ihre Erfolge nur einen Anfang. Aber es ist ein Unterschied zwischen der den Stolz auf das Erreichte mildernden gouvernementalen Bescheidenheit und wirklich tiefgehenden Unzufriedenheit. Die letztere aber zwingt zu einer neuen Kampagne. Hier ist ihre Begründung und ihr Programm. Die gegenwärtige zionistische Leitung steht unvergleichlich höher als die bisherige. Sie war politisch regsamer und erfolgreicher. Auf den Gebieten der Organisation, der kulturellen und der Palästina-Arbeit hat sie besser gearbeitet, als seit Beginn der Bewegung gearbeitet worden ist. Alles das wird auch allseitig soweit anerkannt, daß ein Rückfall der Leitung an die frühere Richtung ausgeschlosserl ist. Diese Sicherheit erlaubt uns aber jetzt, Gegensätze zu zeigen, deren frühere Aufdeckung die Richtungsänderung im Zionismus hätte gefährden können. Heute dürfen und müssen wir versuchen, unsere Sache — in der gegenwärtigen Richtung — kraftvoll vorwärts zu stoßen . . nicht nur sie langsam weiter zu entwickeln. Die Leitung und die zionistische Welt sind nun der Ansicht, alles Weitere käme von selbst. Besonders, wenn jetzt die Finanz-Institute der Leitung näher gebracht werden. In bezug auf die Organisation und das Kulturelle bin auch ich unbesorgt. Betreffs der politischen Arbeit habe ich das Bedenken, daß sehr unsystematisch gearbeitet wird, zum Teil zu wenig, zum Teil — offenbar unter dem Druck der „politischen" Kreise zu viel und zu vielseitig. Aber das ließe sich einrenken oder mildern, und gäbe keinen Anlaß zu einer Opposition, die den Namen verdient. Ganz anders steht es aber mit der Palästina-Arbeit! Ich wiederhole: wir wollten das Maximum, und auch die gegenwärtige Leitung will das Maximum des Möglichen auf diesem Gebiete erreichen. Aber — ich zitiere hier Sokolow, der es freilich einmal gegen die Alliance gesagt hat — „ein großer Wille sieht andere Möglichkeiten als eine kleine Routine."