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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 244

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Entgegnung
Date
1913-07-15
Page
Seite 244 (sequence 6)
Language
German
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Ludwig Strauß, Entgegnung* 243 Definition der Kunst nicht ableiten. Ich nenne nur eine Stelle: „Alles vergebens! Krone des Lebens, Glück ohne Ruh\ Liebe bist Du." Hier ist unmittelbare rhythmische Gestaltung des Gefühls. Ebenso etwa bei dem Gedicht: „Ach, wo sind die schönen Tage." Wir sehen also, daß selbst bei Goethe, auf dessen Kunst ja meistens Babs Definition zutrifft, sich nicht das ganze lebendige Werk in die willkürliche Theorie einspannen läßt. Daß Bab sich auf ein stoffliches Kriterium der Kunst festlegt, daß er nicht Gestaltung schlechthin, sondern Gestaltung eines Stücks der Sinnenwelt fordert, scheidet ihn prinzipiell von mir, der ich nur in der Form künstlerische Kriterien finden kann. Es hat nun aber keinen Sinn, seine Auffassung der Kunst für die einzig mögliche, wissenschaftlich festliegende zu erklären, denn sie wird wesentlich durch subjektive Momente bestimmt. In bezug auf Momberts Dichtung widersprechen Babs neuerliche Ausführungen so völlig den früheren von mir angegriffenen, daß eine einheitliche Fortführung meiner Auseinandersetzung mit ihnen unmöglich wird. Ich kann nur den Widerspruch aufweisen. So schrieb Bab in seinem ersten Artikel: „ Eine wichtige Einschränkung ist zu machen: denn es gibt ja auch eine Poesie des reinen Geistes . . . Religionspoesie, religiöse Lyrik ist eine Aussprache mit dem Geist von Angesicht zu Angesicht und braucht den Umweg über die Welt der Sinnlichkeiten, über eigentliche Gestalten nicht mehr," So im zweiten: „Ueberall, wo die Seele ohne das Medium einer gestalteten Sinnlichkeit unmittelbar von ihrer Gottesschau berichten will, da beginnt das Reich der mystischen Konfession, das nur durch die letzten, aus der Sprache eben nie abzulösenden Elemente sinnlicher Einzelanschauungen noch lose mit der Poesie zusammenhängt." Hier „ist der Jude von jeher zu Hause." „Wie man diese ganz scheinbare Ausnahme . . . eine Eins ch rankung meines Prinzips . . . „nennen kann . . das ist mir ganz unklar/* Auch hier macht Bab trotz seines Protestes eine unhaltbare stoffliche Scheidung; denn was er sagt, bezieht sich doch nicht, wie er meint, nur auf religiöse, sondern auf alle geistige Dichtung (siehe meinen vorigen Artikel). Aber schlimmer ist die Unvereinbarkeit der Babschen Sätze in anderer Beziehung. Zunächst hat er vergessen, daß er selbst seine Anerkennung der „Religionspoesie" eine Einschränkung nannte. Dann erklärt er einmal, diese Religionspoesie brauche den „Umweg über die Welt der Sinnlichkeiten" nicht, und ein andermal: nur dadurch, daß sie den Umweg doch notgedrungen ein wenig mache, hänge sie noch mit der Poesie lose zusammen. Wenn sich also auch Babs Anschauungen geändert haben, so ändert sich damit keineswegs meine Würdigung

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