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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 245

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Entgegnung
Date
1913-07-15
Page
Seite 245 (sequence 7)
Language
German
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244 S. Niger, Morris Rosenfeld seines ersten Artikels als eines Dokumentes der Assimilation. Was uns heute noch mehr als Theorien in der Erkenntnis dieser Probleme fördern könnte, wäre eine Sammlung von Bekenntnissen, psychologischen Dokumenten der Lage des jüdischen Dichters in Deutschland. Wir bitten alle jüdischen Dichter, die zur Frage der deutsch-jüdischen Dichtung etwas zu sagen haben, es in diesen Blättern zu tun. Was man heute in einer solchen Diskussion verlangen kann, ist eine freie, vorurteilslose Stellung gegenüber dem jüdischen Volk. Von keinem anderen Volke würde man zu sagen gewagt haben, daß seine nationale Geschlossenheit Ausschluß von der Menschheitskultur bedeute. Hier sagen es Juden, die ihr Leben lang nicht loskommen von der Verachtung des Jüdischen, wie sie uns in Jahrhunderten eingeprügelt worden ist Welcher Mangel an Liebe und Verständnis, einem Volke die Kraft zur eigenen Kultur abzusprechen, weil in seinen elendesten, unfreiesten Zeiten nur diejenigen seiner Söhne Großes schufen, die sich in fremde Kulturen einordneten. Und daß nur sie Großes schufen, diese Voraussetzung kann nur der anerkennen, der sich nicht bemüht hat, die Größe der anderen zu schauen; sonst könnte er etwa den Aufschwung der jüdischen Mystik im Chassidismus nicht ignorieren. Gewiß, man muß die Härte haben, auch das eigene Volk kritisch zu sehen. Was wir aber mehr als sie bei den meisten Westjuden entbehren, ist der Mut und die Kraft, seine Größe zu bejahen. Morris Rosenfeld. (Zu seinem fünfzigsten Geburtstage). Von S. Niger.*) Ech zing — düs zingen iz män eil, Yn j£der lid iz a gefil. [Ich singe — Singen ist mein Ziel und jedes Lied ist ein öefühl.J „Und jedes Lied ist ein Gefühl" — das ist der ganze Rosenfeld. Alles andere ist Kommentar. Zu allererst beginnt der Kommentar den Text umzukehren. Nicht jedes Lied ist ein Gefühl bei Rosenfeld, das aber ist *) Aus dem jiddischen Manuskript übersetzt.

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