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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 242

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Entgegnung
Date
1913-07-15
Page
Seite 242 (sequence 4)
Language
German
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Ludwig Strauß, Entgegnung 241 tum besteht für uns nicht. Das Nationale ist die starke und dauernde Form unseres Menschentums, und wir sind überzeugt, daß wir in einem hohen Sinn menschlich sind, wenn wir ganz jüdisch sind, denn dann haben wir unser Menschentum zu einer reinen Form gebildet. Wenn Bab uns daher den „Felsen der liberalen Menschheitsidee" vor Augen stellt, so kann uns das in keiner Art umstimmen. Denn als Gegensatz zur nationalen Idee genommen ist sie uns ein Wort und nichts als ein Wort Die Bewegung in der östlichen Judenheit zeigt am besten, wie illusorisch dieser Gegensatz zuletzt ist. Der vielleicht größte Essayist der neuhebräischen Literatur, Achad-Haam, ist ein guter Nationaljude — und dennoch innig vertraut mit den „europäischen Kulturgütern", so sehr, daß diese Vertrautheit sein Schaffen wesentlich bestimmt. Und in der ganzen Jugend des Ostens bestehen zugleich mit den nationalen Tendenzen die Tendenzen zur Freiheit und Bildung. Wie typisch ist der Fall des Jungen aus der chassidischen Familie, der unter schweren Kämpfen sich von den Fesseln seines Milieus losmacht, sich eine moderne Bildung verschafft und der beste Nationaljude dabei bleibt. Die Ostjuden „europäisieren" sich nicht; sie nehmen die kulturellen Errungenschaften Europas auf in ihre jüdischorientalische Kultur. So wird niemals für uns der nationale Zusammenschluß eine Lostrennung von der Menschheitskultur bedeuten, so wenig wie für die Deutschen etwa. Nur wollen wir innerhalb dieser Kultur endlich unseren Platz einnehmen. Wenn auch wir deutschen Juden zum Teil diese Tendenz zu der unseren machen, so bedeutet das nicht, daß wir „die Macht der Kultur wegleugnen, in deren Sprache unser Geist überhaupt existiert." Mein ganzer Artikel gegen Bab war doch eine Feststellung dieser Macht, und aus ihm könnte Bab wissen, daß wir sie nicht leugnen, im Gegenteil: daß wir sie heute in uns bekämpfen. Einige Worte noch über das künstlerische Problem. Nichts lag mir ferner, als die Begriffe „schöpferisch" und „künstlerisch schöpferisch" gleichsetzen zu wollen. Die Spezialisierung des Schöpferischen auf das Gebiet der Kunst schien mir freilich in dem Artikel so selbstverständlich daß ich sie nicht an allen Stellen andeuten zu müssen glaubte. Was soll es aber nun der Diskussion nützen, wenn Bab sagt, daß er sich nicht nach den kindlichen Wünschen einer jüdischnationalen Eitelkeit richte — sagen Sie doch offen, Herr Bab, daß ich es tue. Dazu sei nur eines bemerkt: Während eine Anzahl jüdischer Künstler unter der gespannten Anteilnahme eines großen Teils des jüdischen Volkes hohen Zielen zustrebt,

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