Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Die wirtschaftlichen Probleme der osteuropäischen Judenheit
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 218 (sequence 5)
- Language
- German
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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Benzion Rubstein, Die wirtschaftlichen Probleme. 217 Jahre schon eine bedeutende Einnahme brachten, 300 Pud von 1 Desjatin, das sind in Geld 800 Rubel. Es ist interessant, daß sich die Juden dafür viel geeigneter erwiesen, als die Christen, die unter ihrem Einfluß auch zur Weinkultur übergingen und unter denselben natürlichen Bedingungen leben. Auch die jüdische Stadtbevölkerung Rußlands kann sich in den letzten Jahren eines großen Erfolges auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Nebenzweige rühmen. Die Gärtnerei in den Gouvernements Grodno, Mohilew, Wilna, Suwalk, Minsk hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, und die jüdischen Produkte beginnen sich sogar den ausländischen Markt zu erkämpfen. Die Tabakplantagen der Gouvernements Podoliens und besonders Bessarabiens *) sind größtenteils in jüdischen Händen (nicht bloß von Unternehmern, sondern auch von Arbeitskräften). Letzthin haben sich auch die Juden im Gouvernement Poltawa mehr mit Tabakplantagen abzugeben begonnen. Wir sehen also, daß die Juden eine große Vorliebe für die landwirtschaftlichen Nebenzweige haben und sich als sehr geeignet für sie erweisen, geeigneter oft, als die eingeborene Bevölkerung (Rußland, Palästina), die viel größere landwirtschaftliche Erfahrung hat und sich seit unvordenklichen Zeiten damit beschäftigt. Das allein reicht vollkommen hin, alle jüdischen Institutionen, deren Aufgabe die Erweiterung des Gebietes der jüdischen ökonomischen Tätigkeit und Zuführung der jüdischen Massen zur Landwirtschaft ist, zu veranlassen, das Hauptgewicht ihrer Arbeit auf die landwirtschaftlichen Nebenzweige zu legen* Was Galizien betrifft, so bekommt der Uebergang der jüdischen Massen zu den landwirtschaftlichen Nebenzweigen noch eine andere, eine rein nationale Bedeutung. Galizien ist ein Land mit einer verhältnismäßig sehr dichten Bevölkerung. Nach der Volkszählung von 1910 kamen 106 Menschen auf jeden Quadratkilometer. Es ist ein echtes Agrikulturland mit extensiver Wirtschaft, und daher kann man schon jetzt im galizischen Dorf eine gewisse Uebervölkerung bemerken. Gewiß ist es noch jetzt möglich, bedeutende Strecken Landes zu *) Ueber das Eindringen der Juden in die Tabakplantagen können folgende Ziffern eines Kenners der bessarabischen Tabakplantagen, H. Schtscherbaschows, geben: 1864 besaßen die Juden 27 °/o von allen Tabakplantagen Bessarabiens. 1866 waren es schon 62°/o. Unter den Lohnarbeitern auf den Tabaksplantagen waren im Jahre 1888 3431 Juden oder 92°/o aller Lohnarbeiter. Jetzt sind, nach dem Zeugnis des Korrespondenten der Ica (Sbornik materialow o ekonomitscheskom poloshenij jewr. w Rossij. I. 78, St. Petersburg 1904) nur wenig Christen zu finden, die sich mit Tabakproduktion beschäftigten.