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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 217

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Die wirtschaftlichen Probleme der osteuropäischen Judenheit
Date
1913-07-15
Page
Seite 217 (sequence 4)
Language
German
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216 Benzion Rubstein, Die wirtschaftlichen Probleme. üicht von den Juden selbst festgelegt, sondern von der Initiatorin der russisch-jüdischen Kolonisation — von der russischen Regierung* In den auf Regierungsboden gegründeten Kolonien (und das sind die meisten) ist alles bis zur letzten Kleinigkeit, was man säen, wie man den Boden bearbeiten soll und andere Einzelheiten, von der allmächtigen „Natschalstwo" festgelegt und Wächter in der Gestalt der musterhaften deutschen Landwirte bestellt, damit die Juden alle Verordnungen mit pedantischester Genauigkeit erfüllen. Für jede „Sünde" drohte schwere Strafe. Selbstverständlich konnte die jüdische Dorfbevölkerung unter solchen Bedingungen keinerlei schöpferische Initiative und Unternehmungsgeist zeigen, und die jüdischen Kolonien verblieben lange Zeit in ihren erstarrten Wirtschaftsformen. Dabei wirkte noch das mit, daß die Juden bis in die neueste Zeit nicht sicher waren, die Hausherren in den Kolonien zu bleiben. Im Jahre 1867 wurden die „Lustrationskommissionen" gegründet, um zu kontrollieren, ob die jüdischen Kolonisten die vom Staate erhaltenen Felder selbst bearbeiten oder den christlichen Bauern verpachten. Und die Aussage einer christlichen Nachbargemeinde oder nur eines Teiles derselben, sie habe das jüdische Land gepachtet, genügte, um es den Juden wegzunehmen. Die Bauertl glaubten nämlich, sie würden die den Juden weggenommenen Felder erhalten (in Wirklichkeit gingen sie in den Besitz der Kommissionsmitglieder über) und gaben daher entsprechende Antworten. Das Ende war eine vollständige Expropriation der Felder in den jüdischen Kolonien der südwestlichen Gegend und eine teilweise in den übrigen Gebieten. Auch später hatten die jüdischen Kolonien keine Ruhe. Unaufhörlich wurden sie kontrolliert, ohne Unterlaß gab es Denunziationen gegen die jüdischen Kolonisten von seiten der Judenfeinde, die alle Kräfte aufwandten, um bei der Regierung die Expropriation des Landes auch in den übrigen Kolonien durchzusetzen. Erst in der allerletzten Zeit nahm die Vormundschaft der Regierung über die jüdischen Kolonien ab. Auch die Lage der jüdischen Kolonisten wurde dank dem allgemeinen Wachsen des Rechtsbewußtseins der Bevölkerung Rußlands sicherer, und die Juden begannen sich als Hausherren zu fühlen. Zur gleichen Zeit entstand in den jüdischen Kolonien der Versuch, die Wirtschaft zu vervielfältigen und zur Garten- und Plan tagen Wirtschaft überzugehen. Solche Versuche wurden schon in vielen jüdischen Kolonien gemacht, mit dem größten Erfolge in Ingulez, Kamenka, Lwowo, Ishutschistaja (Chersoner Gouvernement), Petrowke (Bessarabier Gouv.) und Grafskaja (JekaterinosL Gouv.), wo die noch ganz jungen Weinberge im letzten

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