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Die Freistatt · 1913-07-15 · Heft 4 (15.7.1913) · p. Seite 216

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (15.7.1913)
Article
Die wirtschaftlichen Probleme der osteuropäischen Judenheit
Date
1913-07-15
Page
Seite 216 (sequence 3)
Language
German
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Benzion Rubstein, Die wirtschaftlichen Probleme. 215 haben die Ausländer die Herstellung von Fräcken, Jacketts, Ueberziehern — die bestbezahlte Arbeit — an sich gebracht, während sie die schlechter bezahlte Arbeit, die Herstellung von Hosen und Westen, den Einheimischen ließen. Deutschen begegnen wir sehr oft in der Pariser Holzindustrie, und in der Lederwarenindustrie sind sie sehr geschätzt, dagegen sind sie (wie auch die Engländer) in der Bekleidungsindustrie mit den übrigen Ausländern gar nicht konkurrenzfähig, da ihnen die nötige schmiegsame Eleganz mangelt Auch bei den Juden läßt sich eine Vorliebe und Fähigkeit für gewisse Wirtschaftszweige bemerken. Es ist bekannt, daß sie in allen Ländern mit jüdischer Massenbevölkerung am stärksten im Handel, im Schneiderfach und in der Tabakfabrikation vertreten sind. In der letzten Zeit, als die Juden durch eine ganze Reihe hier nicht näher zu erörternder Ursachen gezwungen wurden, das Feld ihrer ökonomischen Tätigkeit zu erweitern und auch zur Landwirtschaft überzugehen, zeigten sie besondere Vorliebe und Fähigkeit für die Nebenzweige der Landwirtschaft: Gärtnerei, Milchwirtschaft, Weinkultur und Plantagenwirtschaft. Es ist interessant zu beobachten, daß sie sich überall dort, wo sie aus eigenen Kräften zur Landwirtschaft übergingen, ohne Hilfe verschiedener romantischer Träumer von jüdischen Hirten und jüdischen Schäferinnen und ohne „nationale Vormünder" — meist den erwähnten Nebenzweigen gewidmet haben. Und man muß zugeben, daß sie auf diesem Gebiet einen ungeheuer großen, unerwarteten Erfolg hatten. Von allen jüdischen Kolonien in den nordamerikanischen Staaten erreichten die höchste Stufe des Wohlstands Alliance, Rosenhaym und Neuengland; das sind gerade die Kolonien, die sich hauptsächlich mit Gärtnerei, Plantagen- und Milchwirtschaft beschäftigen. Sogar in Palästina haben sich, ungeachtet der Bemühungen der Zionisten und der Ica, die Juden in „ideale Bauern" zu verwandeln, diejenigen Kolonien in Judäa (Pessach-Tikwo, Rischojn-Leziojn, Rechojwojs u. a.) am besten entwickelt, wo die Hauptbeschäftigung Plantagen sind, während sich die landwirtschaftlichen Kolonien sogar in Judäa (Ekrojn, Artuf u. a.) sehr langsam entwickeln. Aber in dieser Hinsicht ist der Umstand bezeichnender als alles andere, daß gerade jetzt, da sich die galiläischen Kolonisten um ihre ökonomische Lage zu kümmern und mehr wirtschaftliche Selbständigkeit zu zeigen beginnen, sie auch zu den Nebenzweigen der Landwirtschaft, nämlich (vorläufig) zu Mandelplantagen und Milchwirtschaft (Ekrojn) überzugehen anfingen. Dieselbe Erscheinung kann man auch in Rußland sehen. Hier trägt die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Kolonien rein landwirtschaftlichen Charakter, Der aber wurde

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