Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (15.7.1913)
- Article
- Alljüdische Kritik
- Date
- 1913-07-15
- Page
- Seite 206 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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_F. M. Kaufmann, Alljüdische Kritik II,_205 Ziele des jüdischen Nationalismus") das Nichtvorhandensein der unentbehrlichsten Unterlage. Nun trägt dieser zweite Teil in der Hauptsache prognostischen Charakter und verwertet ausschließlich die Ergebnisse des ersten pathologischen Teiles. Wie muß es aber um den wissenschaftlichen Wert solcher Prognosen stehen, die nirgendwo an der spezifischen Vitalität des Organismus gewonnen sind! Bevor wir dieser Frage nachspüren, sind im einzelnen die fundamentalen Lücken in der Architektur des Buches aufzuweisen. Wir gehen hierbei vom Leben selbst aus, und untersuchen, ob sich seine zentralsten Erscheinungen irgendwie in der Gliederung des Buches gekennzeichnet finden. Da ist die das jüdische Leben von Grund auf revolutionierende Erscheinung der Emigration. Solange ihre psychologischen und ökonomischen Momente nicht klar gelegt, und ihre dynamischen Wirkungen auf die Verbreiterung und Verstärkung der jüdischen Positionen, ihre tiefgehenden Rückwirkungen auf die zentralen Massen in Osteuropa nicht geschildert sind, fehlt eine der wichtigsten Komponenten, ohne die sich unmöglich die Resultante der jüdischen Wirtschafts- und Kulturentwicklung ziehen läßt Ruppin tut dieses äußerst komplizierte Problem auf zwei Seiten ab, denen er acht Seiten statistischen Materials vorangehen läßt.*) Es ist bezeichnend, das ganze fünfte Kapitel heißt bei ihm: „Die Zerstreuung durch Wanderungen", und die kleine, zweiseitige Episode nennt er: „Die Bedeutung der Auswanderung für die Assimilation." Das ungleich wichtigere Kapitel „Die Bedeutung der Auswanderung für die Expansion und die Korroboration" ist im Bauplan des Buches nicht zu finden, — so wenig, wie jener mit der Emigration direkt zusammenhängende Komplex von Problemen, der sich hinter dem Wort „Nordamerika" verbhgt An dieser Tatsache einer jüdischen Zweimillionensiedlung geht Ruppin wie an einem Nichts vorbei. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als in jenem wichtigsten 17. Kapitel**), das „Die räumliche Konzentration der Juden" benannt ist, und die Probe auf die These „Superiorität der Palästinamöglichkeiten über die Goluswirklichkeit" darstellen soll. Hier vergleicht Ruppin „die Aussichten der Konzentration in Osteuropa" mit „den Aussichten der Konzentration in Palästina." Von „Aussichten der Konzentration in Nordamerika", die doch mehr als eine Möglichkeit, die eine Tatsache ist, weiß Ruppin nichts zu berichten. An der entscheidenden Stelle des *) Ruppin S. 84—94. **) Ruppin S. 267—273.