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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 185

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Im Rausch der Bücher
Date
1913-06-15
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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184 Max Brod, Im Rausch der Bücher. immer mit Verwunderung, einen Namen als dominierend und allen Mitgliedern der betreffenden Wissenschaft als ungeheuer wichtig und selbstverständlich zu vernehmen, den er als Laie zum erstenmal hörte. Aber in dem Buche schienen alle Strahlen von ihm wie vom Weltschöpfer auszugehen. So führte Poincare in seiner „Mathematischen Theorie des Uchtes" als Mittelpunkt Fresnel an, in der antiken Metrik war A. Apel der liebe Gott, ein Mann der vergleichenden Wissenschaft hatte niemanden als Franz Bopp im Sinn, und was wäre die Lehre von der Musik der Griechen ohne Westphal gewesen! Wie hervorragende historische Bauten in fremden Städten, den Einheimischen von Jugend auf vertraut, den Zugereisten ganz neu, so erschienen ihm die Namen dieser großen Männer. — Sehr erfreut darüber, daß ihm die ersten Sätze einer Wissenschaft auch ohne Vorkenntnisse so scharfe, neuartige Eindrücke hinterließen, las er weiter. Indessen stockte er bald. Nach einer ganz allgemeinen, leichtverständlichen Einführung führte ihn der Autor meist ganz unvermutet ins Dunkle, ins geheimnisvollste Detail. Deutlich sah er zwischen einem Satz und dem nächsten die unüberschreitbare Grenze der Verständlichkeit laufen. Dann hielt er oft ein, las den letzten klaren Satz, dann die vorigen noch einmal. Da war noch alle Gefahr des Nichtverstehens so fern, alles lag im Frieden wie unberührte Dörfer weit vom Schlachtfelde, niemand hätte gesagt, daß der Feind schon so nahe heranrückt. Georg wiegte sich ganz in diesen idyllischen Zustand ein. So hofft man beim Lesen eines Romans, obwohl man die Katastrophe kennt, durch recht vertiefte Hingabe an die Lektüre das schreckliche Ende noch abzuwenden. Aber nichts half unserem armen Georg. Ein Stoß, und er war schon wieder an den schrecklichen Unglückssatz angelaufen, den er nicht begriff. — Dann gab er verzweiflungsvoll das genaue Durchnehmen auf, las nur noch die Einleitungen der Kapitel, Partien rings um ein hübsches, interessantes Bild. Der gute, sachliche, gedrängte Stil der meisten Wissenschaftler entzückte ihn, ihr Vortrag ohne große Worte, ohne irgend eine Redensart, die man in einer Volksversammlung, in einer Festrede hätte verwenden können. Wie schön waren auch die Schlüsse solcher Werke! Er erwartete immer eine pathetisch aus dem Wust sich aufschwingende Hymne, einen Blick zu den Sternen, und zu seiner Überraschung blieb der Verfasser im Gleise, schloß einfach mit der letzten Formel, mit einer Anmerkung geringfügigen Charakters, die sich nur auf das unmittelbar Vorhergehende bezog, pianissimo. — Sein Erstaunen hierüber fügte er bald in eine ganze Reihe ähnlicher Erfahrungen ein, die er mit der Wissenschaft, ihrem ganzen Betrieb und ihren Lehrsätzen gemacht hatte, und aus denen er sich bald einen Satz bildete, der ihm für diese ganze Art von

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