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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 179

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Uebersicht über die jiddische Literatur
Date
1913-06-15
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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178 Moses Schalit, Übersicht über die jiddische Literatur. begann in Übereinstimmung mit seinen maskilisch-assimilatorischen, neuverstandenen Aufgaben die praktischere Sprache, Russisch, zu predigen. Aus dem Maskil wurde der Assimilant. Beim Hebräischen blieb er — freilich, nur „zu Hause", in den „vier Ellen" seines Zimmers, und auch hier nur für Sabbat und Feiertag, für die Segenssprüche . . . . Ein Andenken daran bildet, theoretisch und praktisch, die heutige sonderbare Losung: Hebräisch oder Russisch! Das heißt: Nur nicht „Jargon"! Die bankrotte heutige Metamorphose des ehemaligen Maskilismus ist aber nicht mehr gefährlich und findet bereits so starken Widerstand wie nie zuvor. Es entstand inzwischen eine jiddische Literatur, ein jüdisch-demokratischer Nationalismus, eine neue jüdische Volksintelligenz — und das jüdische Leben erhielt einen neuen Inhalt voll Lebensentwicklung und Lebenslust, der nur eine Richtung hat: Das jüdische Lebens soll jüdisch sein! Jüdisch daheim und draußen, im Schaffen und im Denken, in der Erziehung und in den Taten. Die höhere Synthese der ganzen jüdischen Vergangenheit mit der Gegenwart soll gefunden werden, um die Zukunft zu schmieden. Palästina, Hebräisch, die alte jüdische Kultur, alle vom jüdischen Volke im Laufe seiner tausendjährigen Geschichte geschaffenen Werte — alles soll in Rechnung gezogen werden, kein Tüpfelchen soll fehlen. Und im Zentrum von allem soll das Volk stehen, das lebende, und soll der Ausgangspunkt für alle Bestrebungen und Aufgaben sein. Die neujiddische Literatur ist eine Tatsache geworden, die niemand mehr leugnen kann. Jiddisch ist zu einer Kultursprache geworden. Zugleich mit Mendale, Mojcher-Sfurim (Sch. J. Abramowitsch), J. L. Perez, Schulem-Aleichefti, Scholem Asch, Abraham Reisen, Dinesohn, Spektor, Frug, Nomberg, Morris Rosenfeld, Jehojesch, David Pinski — wirken eine ganze Reihe junger Talente: J. M. Waißenberg, David Einhorn, J. D. Berkowitsch, Perez Hirschbein, S. J. Unojchi, Jojne Rosenfeld, Jakob Steinberg, L. Schapiro, David Kassel, Moses Stawski, Falk Heilperin, Lipman- Lewin, S, J. Imber, Zwi Hirschkan, A. Waiter, Nister, Menachem, Rachel Faigenberg und viele andere, ferner eine Anzahl von Schriftstellern in Amerika mit dem verstorbenen Jakob Oordin an der Spitze: S. Libin, L. Kobrin, M. Blinkin u. a.; eine Reihe junger Dichter, die noch im Entwicklungsstadium stehen. Und in der allerletzten Zeit ist vor unseren Augen plötzlich ein neues bedeutendes Talent, das durch und durch auf dem Boden der neuen jiddisch-jüdischen Kultur steht, ein Künstler von großer Begabung, David Bergelsson, der Verfasser der Novelle „Arym

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