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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 176

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Assimilation
Date
1913-06-15
Page
Seite 176 (sequence 5)
Language
German
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Julius Bab, Assimilation 175 Gottesschau berichten will, da beginnt das Reich der mystischen Konfession, das nur durch die letzten, aus der Sprache eben nie abzulösenden Elemente sinnlicher Einzelanschauungen noch lose mit der Poesie zusammenhängt In diesem Reich der unmittelbaren Gottverkündung ist der Jude von jeher zu Hause. Und wenn ich die großen Ekstatiker Jesaias oder Mombert „Grenzfälle der Poesie" nenne, so bezeichne ich damit eben den äußersten Punkt, in dem sich jüdische Art der dichterischen nähern kann, ohne sie doch im Kern zu erreichen. Keineswegs durch ihren „Stoff" (wie mir Strauß vorwirft), sondern durch die Art der gestaltenden Leidenschaft unterscheide ich diese unmittelbaren Religionspoeten von der eigentlichen, stets mittelbaren Poesie. Denn das Ruhen in einer Gestalt, das Gott genießen, nicht im erkennenden Geiste, sondern in der reinen Anschauung, das bleibt doch diesen Propheten versagt. Wie man diese ganz scheinbare Ausnahme von der Regel eine Einschränkung und Vernichtung meines Prinzips nennen kann, statt seine höchste Bestätigung und Befestigung, das ist mir ganz unklar. Nichts außer dem logischen Bedürfnis hindert natürlich, den Begriff der Dichtung auch so auszudehnen, daß die großen jüdischen Bekenner noch mit hineinfallen. Aber es ist ein rein geistiges, ganz allgemein menschliches Bedürfnis (und ich gestatte mir solche außerjüdischen Bedürfnisse zu haben!), aus dem heraus es mir ratsam scheint, für die Verständigung unter Menschen das Wort „Kunst" und „Dichtkunst" nur da anzuwenden, wo sinnlich starke Gestaltungen geistig transparent geworden sind. Solche Stellungnahme nun aber, bei der meine Sprache sich nicht nach den ziemlich kindlichen Wünschen einer jüdischnationalen Eitelkeit, sondern nach den Anforderungen des allgemein wissenschaftlichen Sprachgebrauchs richtet, nennt Ludwig Strauß die „Versklavung" meines jüdischen Geistes durch deutsche Vorstellungen. Damit kommen wir freilich zum Ausgangspunkt zurück. Mein Geist, der an der Gesetzlichkeit der deutschen Sprache aufgewachsen ist, ist (ebensowenig wie der des Herrn Strauß!) ein „jüdischer". Wenn seine Bewegung auch oft genug den Rhythmus des jüdischen Blutes annehmen mag. Und wenn dieser Geist sich für Fragen der Kunst dort orientiert, wo ausschließlich Kunst geschaffen worden ist, nämlich keineswegs nur bei den Deutschen, sondern bei allen Künstlern der europäischen Kulturgemeinschaft, und wenn er dann die hier gewonnene Vorstellung von künstlerischer Kraft mit der Kraft vergleicht, die er als lebendig wirkendes Judentum in sich und in der Geschichte empfindet, so scheint mir das ein Akt vollkommener geistiger und menschlicher Freiheit zu sein. Das umgekehrte Verfahren, nämlich die Ausrenkung der allgemein

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