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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 162

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Alljüdische Probleme und der Sozialismus
Date
1913-06-15
Page
Seite 162 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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B. Borochow, Alljüdische Probleme und der Sozialismus, 161 Hebel des Fortschrittes, auch im jüdischen Volke. Niemand, dem die Sache der jüdischen Zukunft teuer ist, darf der sozialistischen Arbeiterbewegung fernbleiben. Allerdings kann die Arbeiterbewegung ihrer erzieherischen und gesundenden Aufgaben nur insoweit gerecht werden, als sie vom Geiste der höheren Kulturwerte erfüllt ist Wo aber die gewerkschaftliche Aktion von engem Praktizismus oder von utopistischen Schwärmereien beherrscht wird, wo an Stelle der nüchternen und zielbewußten Führung ein Haschen nach unmittelbarem Erfolg tritt, — dort kann von einer Massenerziehung gar keine Rede sein. Dasselbe gilt auch für die sozialistischen Parteien, wenn diese den Boden der Arbeitersolidarität verlassen und zugunsten gewisser Leaderkreise eine schmutzige, streberische Konkurrenzpolitik behufs Monopolisierung der sozialen Bewegung betreiben. Die demoralisierende Wirkung dieser sozusagen momentalistischen und monopolistischen Bestrebungen läßt sich auch in den Reihen jüdischer Sozialisten spüren. Und um den schädlichen Folgen vorzubeugen, ist das einzige Mittel, — dem ziemlich gedankenarmen jüdischen Sozialismus neue Kulturideale und Wertinhalte zukommen zu lassen. Kein jüdischer Sozialist, dem an der Würde der sozialistischen Bewegung, an ihrer Produktivität gelegen ist, darf sich den weiteren nationalen Bestrebungen verschließen. In den Bereich der sozialistischen Aufgaben gehören auch solche hinein, die nicht auf dem Boden des aus* schließlichen Klassen- oder gar Fraktionskampfes zu lösen sind. Das sind Fragen der jüdischen Wanderung und ihrer Regelung, der Kulturrenaissance, der nationalen Autonomie und Gleichberechtigung, der Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse durch kooperative Selbsthilfe und landwirtschaftliche Kolonisation. Falsch und gefährlich ist es, wenn man einzelne dieser Probleme aus der Gesamtheit losreißt, um für jedes eine spezielle Bewegung zu konstruieren. Der sozialistische Zionismus, der seine Organisationsform in dem Weltverbande der Poale-Zion und seinen Landesföderationen gefunden hat, betrachtet alle diese jüdischen Teilprobleme als organische Zweige eines einheitlichen allgemeinen Problems. Die enge Verbindung der sozialen und nationalen Bestrebungen im Judentum und der einzelnen Teilprobleme untereinander ist hier nicht künstlieh hergestellt oder ausgeklügelt, sondern vom Leben selbst angezeigt. Denn das kapitalistische Zeitalter hat durch die ihm eigentümliche verschärfte Konkurrenz und die gesteigerten Erfordernisse der wirtschaftlichen Zuchtwahl den jüdischen Massen die Schwäche ihrer bisherigen wirtschaftlichen und kulturellen Positionen mit noch nie dagewesener

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