Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (15.6.1913)
- Article
- Jerusalem
- Date
- 1913-06-15
- Page
- Seite 152 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 2× ep/1005097
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Scholem Asch, Jerusalem 151 Und bei den Juden, im jüdischen Glauben, in der jüdischen Nation, im jüdischen Begriff gibt es kein anderes Jerusalem als das göttliche, und das lange Warten auf sein Kommen . . . Das göttliche Jerusalem ist zum Begriff geworden. Das Judentum hat jede Form und jede Zeit von sich getan. Die Merkmale, die andere Völker bestimmen, Land, Sprache, Politik, hören zu existieren auf. Der jüdische Gott ist unsichtbar. Er hat keine Gestalt, die man schauen kann. Die jüdische Idee wurde abstrakt. Sie lebt ohne Zeit und ohne Form. Der jüdische Glaube entwickelte sich. Der Gott, den Israel mit sich ins babylonische Exil führte, war nicht der universelle Gott eines Jesaja. (Jesajas Worte hatten im jüdischen Volke keinen Halt.) Der jüdische Gott vor dem babylonischen Exil hatte noch nicht das Jenseits zu verschenken* Lohn und Strafe waren noch im Diesseits. Erst im babylonischen Exil (ob nun durch die Berührung mit den Persern und von ihnen stammend, wie manche behaupten, oder ob durch das tiefe Nachdenken über „Ein Gerechter, dem es schlecht geht, . . . bei den Juden selbst entstanden) erhebt sich die Idee eines Jenseits. Aus Babylon bringen die Juden noch eines mit: Die Idee des Messias. Die messianische Idee, die in der ersten Zeit des babylonischen Exils bei den Juden erwachte, die Sehnsucht nach Jerusalem, welche die schönsten Psalmen und den größten jüdischen Dichter im zweiten Jesaja hervorbrachte — die messianische Idee verläßt die Juden auch dann nicht mehr, als sie nach Jerusalem zurückkommen, und zieht sich durch die ganze Periode des zweiten Tempels. Denn es war nur eine Hälfte der Erlösung gekommen, das menschliche Jerusalem. Und die Juden waren zu dieser Zeit schon reicher, sie hatten schon die Sehnsucht und das Wissen, daß sie zu Größerem geboren seien, für ein göttliches Jerusalem. Nur diese große Idee konnte die Juden in der Diaspora erhalten. Eine kleine Zahl nur kehrte mit Esra und Nehemia zurück, während sich die Massen des jüdischen Volkes über Kleinasien und Mesopotamien bis nach Afrika ausbreiten, ohne Furcht vor dem Untergang. Ueberall schaffen sie große jüdische Gemeinden und Gotteshäuser. Denn das Judentum hatte sein Kindesalter hinter sich, hatte sich entwickelt, war an keinen Ort gebunden. Gott ist überall; wo zehn Juden sind, ist ein „Minjen" — ist das Heiligtum. Der Jude führt sein Judentum überallhin, zum Vaterland ist ihm das Herz geworden, die Idee des göttlichen Jerusalems* Und wenn es ein ganz kleines, menschliches Jerusalem gibt, so dient es nur dazu, dem göttlichen Jerusalem Opfer zu bringen, so existiert es nur, um die ans „heilige Land ge-