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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 151

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Jerusalem
Date
1913-06-15
Page
Seite 151 (sequence 5)
Language
German
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150 Scholem Asch, Jerusalem den Arianismus, an und ging erst später aus politischen Gründen zum Katholizismus über. So erstreckte das „göttliche Jerusalem", unter dem Schleier einer fremden Form, seine Herrschaft über die Welt und gab ihr die Zivilisation, die Form, das Antlitz, das sie heute hat Das war das „göttliche Jerusalem" für „sie", für draußen. Wie war's bei uns? Das menschliche Jerusalem war immer mit dem göttlichen verknüpft. „Sonne, Mond und die Sterne werden wieder ihr Licht erhalten, frei wird die Erde werden, von jedem Würmchen wird der Fluch weichen. Alles ist mit den Juden zugleich im Exil, weil Gott im Exil ist. Und durch den Messias wird die Welt wieder zu ihrem früheren Zustande zurückkehren zum Zwecke, zum Wesen des Guten, wie sie es vor dem Sündenfalle war; so wie sie in der Tdee Gottes existierte, bevor er sie schuf." Nur auf ein solches göttliches Jerusalem warteten und warten die Juden vom babylonischen Exil an bis auf den letzten Juden eines polnisch-jüdischen Städtchens. Die Erlösung durch Esra und Nehemia war deshalb keine richtige, weil sie von Menschen kam, von der Gnade eines Sterblichen, nicht von Gott. Nur auf ein solches Jerusalem lohnte sich's zu harren, lohnte sich's, den furchtbaren, langen, feindlichen Weg des Exils zu ertragen. Nur der Messias konnte die Hoffnung, den Glauben geben, um das Exil bis auf diesen Tag zu ertragen. Nur diesen Messias sahen unsere Opfer, wenn sie zur Heiligung Gottes starben. Diesen Messias erwarteten die Juden und erwarten ihn bis heute» Das ist das Geheimnis der Gleichgültigkeit, die die Juden gegen alle Kriege der Hasmonäer, Sadduzäer, Herodes', der „Strolche" gegen Rom zeigten. Nicht aus politischer Unfreiheit stammte diese Gleichgültigkeit. Sondern daher, daß alle diese Kriege dem menschlichen Jerusalem galten und nichts vom großen Schwung eines großen Messias, eines großen Gottes hatten. Sie kamen nicht, um die Wahrheit zu befreien, die Welt zu befreien, sondern nur ihre „vier Ellen", ihr menschliches Jerusalem — und was ist das menschliche Jerusalem ohne das göttliche! Aber dort, wo es sich um das Jerusalem nach ihrem Begriffe handelte, um das göttliche Jerusalem, als der Feind ihnen den Dienst des Weltenschöpfers, die Ausübung der Gebote, um das Kommen des Messias zu beten, verwehren wollte — da verrichtete die kleine Hasmonäerschar Wunder, da erfüllten die zehn Märtyrer, ein Chanina ben Teradjon, ein Juda ben Baba die Gebote vor den Augen des Feindes und gingen mit der Thora auf den Scheiterhaufen.

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