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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 150

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Jerusalem
Date
1913-06-15
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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Scholem Asch, Jerusalem, 149 freundliche Aufnahme. Die Juden bereiten den Heiden große Schwierigkeiten, wenn sie zum Judentum übertreten wollen, raten ihnen ab, verweigern ihnen die Aufnahme. Und so läutern sie das Material, das sich ins jüdische Volk ergießen will, immer mehr. Einem von hundert, einem von tausend gelingt es. Es ist hier nicht der Ort, genauer zu untersuchen, ob die Juden recht daran taten, das Judentum den Heiden zu verschließen und aus Furcht, von dem heidnischen Strom, der sich zu ihnen ergoß, verschlungen zu werden, die jüdische Seele lieber im Innern sich ausglühen lassen wollten, als das Judentum nach außen hin zu verbreiten, wo ihm jedes Volk nach seinem psychischen und moralischen Zustand seine Form aufgeprägt hätte. Es war vielleicht die Idee der großen Propheten, die von einem universalen Judentum träumten, von der „Erleuchtung der Völker", daß sich jede Nation die jüdische Ethik in die ihm passende und mögliche Form umgießen solle. Tatsache ist es, daß der dem jüdischen Glauben neu entstehende Konkurrent, das neue Judentum, das Christentum, die Bedeutung dieses Momentes besser verstand. Es entfernte für die Heiden die Hindernisse, die ihnen am meisten im Wege standen, und machte aus der jüdischen Ethik, aus dem jüdischen Glauben in einer neuen Form einen Weltglauben. Vielleicht — wenn in jener Zeit an der Spitze des Volkes ein Prophet mit so weitem Blick wie Jesaja oder ein Hillel gestanden hätte oder, wenn die heidnische Welt zur Zeit Jesajas für das Verständnis der jüdischen Ethik reif gewesen wäre, hätte sich dieser vielleicht anders zur Größe dieser Idee verhalten, mit weniger Besorgnis um das Judentum und mit mehr Glauben an die Kraft der jüdischen Ethik, die die Heiden umgestalten und nicht von ihnen umgestaltet werden würde, — wenn ein solcher Mann an der Spitze des jüdischen Volkes gestanden hätte, wer weiß, ob nicht heute an dem Orte, wo eine Kirche steht, eine Synagoge stünde, und die Welt nicht von Rom, sondern von Jerusalem aus solange geführt worden wäre . . . Nun, das Judentum ging jedenfalls in anderer Form über die Welt. Und dort, wohin die Legionen Roms nicht langen konnten — dorthin langte das Judentum. Seine elementare Ethik war für die elementarsten Begriffe der Barbaren verständlich. Und die ehrlichen Germanen, welche die Donau überschritten und in die römischen Provinzen einbrachen, ja oft schon weiter, bis an die Tore Roms gedrungen waren, brachten nichts von dort zurück, weder griechische Mythen noch römische Kriegskunst, nur eins — das Christentum . . . Noch etwas darf man nicht vergessen: Die barbarische Welt, Germanen und Goten, nahm die dem Judentum viel näherstehende Lehre der alexandrinischen Schule vom „Mensch-Propheten", nicht vom „Gott-Menschen"

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