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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 144

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Sprachadel
Date
1913-06-15
Page
Seite 144 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Dr. Nathan Birnbaum, Sprachadel. 143 der Diaspora, wird ja niemals Hebräisch gesprochen werden. Hier gibt es ja auch nicht eine einzige Voraussetzung für eine so ungeheuerliche Umwälzung. Hier ist es doch ganz unmöglich, daß sich die Sprache bis zum Oesprochenwerden durchringt. Wozu strapaziert man sie also? Wozu quält man sie? Warum macht man einen Intelligenzler-Sport aus ihr, um den sich das Volk gar nicht kümmert? Warum soll sie aufhören, eine Posaune des Messias zu sein und eine Drommete der sephardischen Aussprache werden, die selbst wieder neun Zehnteln des jüdischen Volkes ganz sonderbar und fremd erklingt? Und was die Hauptsache ist: Was will man vom Jüdischen? Warum hetzen die törichten Leute? Warum verfolgen sie? Warum beleidigen sie? Warum setzen sie Himmel und Hölle in Bewegung gegen die Sprache, in der der jüdische Sinn von neun Millionen Juden, und gerade der besten, wohnt, die sich Jahrhunderte hindurch bewährt hat und nun weiter bewährt — als unermüdliche und tätige Hüterin der „Jüdischkeit", des jüdischen Lebens und damit auch der hebräischen Sprache? Waium nehmen sie nicht Rücksicht auf diese, die erst durch jene nicht nur vor dem Vergessen werden bewahrt, sondern dem ganzen Volke erhalten bleibt? Man hört heutzutage oft die Klage, daß unserem jetzigen jüdischen Leben ein zentraler Gedanke fehle. Insofern dabei an die jüdische Intelligenz gedacht wird, schließe ich mich dieser Klage gewiß an. Aber ich schließe mich sofort wieder aus, wenn versucht wird, die ganze Schuld nur auf jene Intelligenzler zu wälzen, die Freunde der jüdischen Sprache sind . . . Als ob sie die einzigen und eigentlichen Vertreter jenes armseligen Judentums ohne zentralen Gedanken und ohne starken eigenen Lebensplan wären. Als ob erst sie das Gift in die Seele der jüdischen Gesamtheit geträufelt hätten. Und ich schließe mich ferner aus, wenn man die Klage mit einer Verleumdung der jüdischen Sprache verknüpft .... Als ob sie das Gift wäre, mit dem man sich rüstet, den jüdischen Geist zu töten, für zentrale jüdische Gedanken blind zu machen. Ich weiß, daß es unter den intelligenten Freunden des Jüdischen viele gibt, die in der eben erwähnten Richtung stark gesündigt haben. Ich weiß auch, daß die Bewegung für Jüdisch, insoweit sie eine bewußte Bewegung der Intelligenzler ist, noch die Spuren dieser Sünde an sich trägt. Ich weiß, daß es da Menschen gegeben hat — und vielleicht noch gibt —, denen eine Uebersetzung, sagen wir des „Erfurter Programms" ins Jüdische, wichtiger erscheint, als alle Werke des Maimonides zusammengenommen. — Aber ich möchte mir doch die Frage

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