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Die Freistatt · 1913-06-15 · Heft 3 (15.6.1913) · p. Seite 143

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (15.6.1913)
Article
Sprachadel
Date
1913-06-15
Page
Seite 143 (sequence 6)
Language
German
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142 Dn Nathan Birnbaum, Sprachadel. erhaben und ewig ist, wie die Himmel, — raubt sie damit der jüdischer die Stärke und die Intimität des Lebens? Raubt sie ihr die Spannkraft, die Frische und die Eignung, den größten und kleinsten, den ältesten und jüngsten Besonderheiten des jüdischen Volkes sich anzupassen? Kann sie ihr die Spuren jener Arbeit entreißen, die der Genius Israels in ihr leistete und leistet? Und wenn wieder das Jüdische kraftvoll und lebensvoll, elastisch und frisch, ein rascher und flinker Überbringer von allem ist, was sich in der jüdischen Seele rührt, wenn das Jüdische ein Qefäß ist, das sich der Qenius Israels formte und noch weiter formt, — welchen Schaden sollte Hebräisch davon haben? Raubt es ihm seine Erhabenheit und Ewigkeit, seinen Glanz und seine Pracht? Nimmt es ihm seinen eigentlichen Adel, — den Adel einer gewaltigen, ewigen Seelenmacht, eines ewigen, niemals ruhenden Sieges? Nein, ich gehöre nicht zu jenen, die die hebräische Sprache in ein stilles Grab werfen und nur Sprachgelehrte zu ihr zulassen wollen. Nein, ich glaube an Hebräisch, ich glaube an seinen ewigen, großen Beruf, ich glaube an seine ewige, große Rolle in dem gewaltigen Welt- und Gottdrama, das da Judentum heißt. Ich glaube daran, daß die hebräische Sprache das jüdische Volk wie eine ewige Posaune des Messias begleiten wird, — als eine besondere Gnade, die dem jüdischen Volke geschah, als eine der Gaben der Auserwähltheit: Ewigkeit in Wörter gegossen . . . Aber eben, weil ich daran glaube, kann ich mit den neumodischen Freunden des Hebräischen nicht zusammengehen. Man erzählt uns von der Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Palästina, — daß sie dort immer mehr und mehr gesprochen wird- Nun, sollte dies wahr sein, und sollte es sich dabei um etwas handeln, das auch Zukunft hat, dann ist es, glaube ich, sicherlich nicht das Verdienst irgend eines Justament-Willens; vielmehr sind wahrscheinlich die natürlichen inneren und äußeren Voraussetzungen einer solchen Entwicklung dort vorhanden. Und obendrein werden unsere Brüder in Palästina gut darauf acht geben müssen, daß der Lebensadel des gesprochenen Hebräisch nicht den Ewigkeitsadel des gebeteten, gelesenen und geschriebenen Hebräisch schwäche, daß ihr Hebräisch nicht seine besonderen Vorzüge verliere, und sie am Ende nicht bei einem neuen hebräischen Jüdisch, statt bei dem alten jüdischen Hebräisch bleiben . , , . Doch ich will von Palästina ganz absehen. Was will man nun aber hier von uns haben? Was will man hier von dem armen Hebräisch, von dem armen Jüdisch? Hier, in den Ländern

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