Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (15.6.1913)
- Article
- Sprachadel
- Date
- 1913-06-15
- Page
- Seite 142 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Dr. Nathan Birnbaum, SprachadeL 141 und Worten mitgeboren ist, sondern von der Kraft und Zartheit des Volkes und seinen Schreibenden entwickelt wird und sich zumeist in ihren Wendungen und Seelentönen offenbart? Und ist denn schließlich Schönheit etwas, was man unbedingt von einer Sprache fordern darf, so daß man das Recht hätte, sie von sich zu weisen, wenn sie nicht schön ist? Alles das kümmert natürlich unsere Intelligenzler nicht Sie spekulieren entweder auf eine Art noch nicht erhörter europäisch-orientalisch-jüdischer Schönheit, deren nach ihrer Meinung das Jüdische niemals teilhaftig werden kann. Oder sie sind einfach Ästheten ä la Varsovie, Paris, Munich oder Berlin und fürchten, was „jene" dazu sagen werden: Der Iwan, der Jan, der John und der Hans . , . ob sie nicht lachen werden? . . . Mein Gott . . . „Jargon"! Die Gegner des Jüdischen lieben es auch, sich als die einzigen Freunde des Hebräischen aufzuspielen und die Freunde des Jüdischen als Gegner des Hebräischen zu bezeichnen. Gegen beides erhebe ich Protest. Der Unterschied zwischen ihnen und uns, den Freunden des Jüdischen, liegt nur in der verschiedenen Auffassung vom Adel des Hebräischen. Für sie liegt dieser Wert im Grunde nur in dem alten Anrecht, das die hebräische Sprache auf uns hat, und höchstens noch auch in ihrer Abstammung, in ihrem Semitismus. Wir aber sehen darin nicht den wirklichen, nicht denjenigen Adel des Hebräischen, der seinen eigenen Wert sollte übersteigen und steigern können. Für uns ist der Adel wichtiger, der der hebräischen Sprache als der einzigen eignet, und den auch das jüdische Volk mit sehr feinem Gefühle empfindet Denn daran kann kaum ein Zweifel sein, daß in der ganzen jüdischen Gesamtheit wohl niemand barbarisch oder unwissend genug ist, um die ganz außerordentliche Vornehmheit des Hebräischen zu leugnen, um nicht zu wissen oder wenigstens zu ahnen, daß wir dieser Sprache des gewaltigsten Werkes der Erde unsere Ehrerbietung und unsere Kraft zu widmen haben, — glücklich, daß sie unser ist. Ich wenigstens kann mir keinen Juden vorstellen — er sei gebildet oder nicht, in jüdischen Dingen gelehrt oder unwissend—, der nicht Hebräisch liebte. Ich selbst werde von jedem hebräischen Worte tief ergriffen. Wenn ich Hebräisch höre, dringen die große Vergangenheit und die Ewigkeit meines Volkes auf mich ein, und ich möchte einen neuen Segensspruch sagen: Gepriesen sei der, der uns Propheten zu Ahnen und unserem Volke ewige Prophetenschaft gab . . . ♦ Aber gerade dieser Adel des Hebräischen berührt doch die Tatsache und die Errungenschaften des Jüdischen nicht und wird von ihnen nicht berührt. Wenn die hebräische Sprache