Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (15.5.1913)
- Article
- Der grosse und der kleine Zionismus
- Date
- 1913-05-15
- Page
- Seite 97 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119804-3120089--0152-3120165- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Davis Trietsch, Der große und der kleine Zionismus, 97 daß aus ihr sich offenkundige Gelegenheiten zur Einwanderung ergeben. Dies letztere könnte z. B, auf die Weise eingeleitet werden, daß ein System der Landpacht (seitens des Nationalfonds oder anderer Institutionen) gezeigt würde, oder daß ein Parzellierungssystem in Anwendung käme, das den minderbemittelten Leuten ermöglicht, sich in Palästina niederzulassen. Selbst die primitive Frage der Kosten fängt erst eben an, ein wenig geklärt zu werden. Fehlten diese Voraussetzungen selbst in der von dem größten Publikum befürworteten landwirtschaftlichen Kolonisation, so ist das sehr viel größere und wichtigere Gebiet der industriellen Ansiedlungs-Möglichkeiten noch viel weniger geklärt Es geht sogar soweit, daß selbst die wenigen vorhandenen Anfänge ganz falsch gewertet werden. Man macht Propaganda für Dinge, von denen es zahlreichen Leuten bekannt ist, daß nach dem Stande der Dinge diese Propaganda besser unterbliebe. Anderes, was schöne Erfolge verspricht, wird als nebensächlich behandelt. Dinge, an deren Rentabilität man glaubt, und für die man sehr große Kapitalien flüssig machen könnte, werden auf einem kleinlichen Schnorrwege betrieben, dagegen werden Unternehmungen mit von vornherein gering veranschlagter Rentabilität (die also von vornherein Verluste wahrscheinlich machen) als „Geschäft e" lanciert. Das Schlimmste aber ist, daß wenn dann beide Arten von Betrieben sich nur kümmerlich entwickeln, dies nicht einmal gemerkt wird, weil man jedes Maß der Dinge verloren hat, und aus der Zufriedenheit mit den geringen Ergebnissen kann natürlich nicht die Nötigung entstehen, die verwechselten Systeme umzukehren. Mit einem Wort: wenn auch die Palästinaarbeit heute sehr ermutigend dasteht im Verhältnis zu dem, was früher war, so ist doch bei einiger Kenntnis der Möglichkeiten die allergrößte Unzufriedenheit am Platze um so mehr, als die günstige Entwicklung aller nur einigermaßen ernsthaft begonnenen Dinge deutlich zeigt, welche außerordentlichen Chancen der jüdischen Einwanderung in diesem Lande harren. Wir haben also keinen Grund zu satter Zufriedenheit und nicht einmal zu der Beruhigung, daß alles bereits im guten Zuge sei, oder daß wenigstens das Mögliche geschehe. Um so weniger können wir aber von den anderen verlangen, daß sie unsere Palästinaarbeit für tüchtig genug halten, um uns — auf unseren bloßen Anspruch hin — die Führung einer alljüdischen Bewegung anzuvertrauen. So wie vor sieben Jahren die Brüsseler Konferenz von zionistischer Seite zwar mitangeregt, nicht aber offiziell vorbereitet wurde, so können wir auch heute nur den Tendenzen