Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (15.5.1913)
- Article
- Der grosse und der kleine Zionismus
- Date
- 1913-05-15
- Page
- Seite 98 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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98 L. Chasanowitsch, Das jüdische Proletariat usw. zu einer alljüdischen Bewegung jede private Unterstützung geben und ihnen auch eine parteimäßige zionistische Gefolgschaft sichern helfen; nicht aber wären wir gegenwärtig in der Lage, ohne schwere Schädigung der Idee von uns aus die alljüdische Bewegung „zu machen." Für die Zukunft freilich gibt es einen Weg. Sollte die alljüdische Bewegung erst in einer Reihe von Jahren in organisierter Form in die Erscheinung treten, so haben wir bei entsprechender Arbeit die besten Chancen. Diese entsprechende Arbeit besteht aber darin, daß wir auf unserem Spezialfeld der Palästinaarbeit systematisch vorgehen. Damit würden wir neben allem anderen auch auf dem dringlichsten Gebiete der ganzen Judenfrage, nämlich dem der osteuropäischen Auswanderung, Maßgebliches geleistet haben, und diese Arbeit könnte gar nicht anders vor sich gehen als in von Jahr zu Jahr wachsendem freundschaftlichen Zusammenwirken mit den anderen jüdischen Organisationen. Dieses Zusammenwirken, an Stelle der früheren Kämpfe, macht sich schon in letzter Zeit in vielversprechenden Anfängen bemerkbar. Je besser wir auf diesem Wege vorwärtskommen, um so größer sind auch unsere Aussichten, in der kommenden alljüdischen Bewegung einen Anteil nehmen zu können, der uns berechtigen wird, in ihr den „großen Zionismus" zu sehen. Das jüdische Proletariat in Nordamerika. Von L, Chasanowitsch. Nirgends in der Welt haben die Juden eine so hohe Stufe der Selbstachtung und der Achtung seitens ihrer Mitbürger erreicht, wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Nirgends nehmen die Faktoren des öffentlichen Lebens — Regierung und politische Parteien — so viel Rücksicht auf die jüdische Stimmung wie hier. Die amerikanischen Juden sind sicher die stolzesten, die es überhaupt gibt; stolz allerdings nicht sowohl als Juden, wie als vollberechtigte Bürger, deren Stimme im Rate der zahlreichen das Land bewohnenden Völkerbruchstücke aufmerksam vernommen wird. Die hohe Wertschätzung der Juden ließe sich mit tausend Tatsachen belegen. Wohl am markantesten trat der in Nordamerika so weitreichende jüdische Einfluß in Erscheinung, als der frühere Präsident Taft, ein durchaus konservativer Mann, dem Philosemitismus nicht nachgerühmt werden kann, durch fast einstimmigen Beschluß des Kongresses und Senates gezwungen wurde, wegen des bekannten Paßkonfliktes