Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (15.5.1913)
- Article
- Der grosse und der kleine Zionismus
- Date
- 1913-05-15
- Page
- Seite 93 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119804-3120089--0148-3120161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Davis Trietsch, Der große und der kleine Zionismus. 93 folgende Mittel in Aussicht" Worauf dann die vier Nebensätze kommen, deren erster von der Palästinaarbeit handelt, währena der zweite und der dritte die (von rechtswegen alljüdischen) Aufgaben der Organisation und der Kultur zum Gegenstand haben. Der vierte Satz spricht von den Regierungszustimmungen, die wieder nur für die Palästinatätigkeit in Betracht kommen. Da wir eben beim Programm halten, wird es nicht unpraktisch sein, schon an dieser Stelle zu zeigen, wie wenig einwandsfrei selbst der Hauptsatz formuliert ist. Das im allgemeinen Gebrauch völlig ungebräuchliche Wort von der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte war gewählt worden, um auch diejenigen halbwegs zu befriedigen, die eine völkerrechtliche Sicherung verlangten. Gemeint war aber in Wirklichkeit weder völkerrechtlich noch Öffentlichrechtlich, sondern eine wirklich gesicherte Heimstätte, so daß die Formulierung „sichere Heimstätte" oder „Heimstätte" schlechtweg viel zutreffender gewesen wäre.**) Daß die Formulierung „das jüdische Volk" nicht klar und eindeutig war, haben wir in einer Hinsicht schon gezeigt. Auch insofern ist der Wortlaut nicht unbedenklich, als hier der Gedanke hervorgerufen oder doch ermöglicht wird, als halte der Zionismus dafür, alle Juden nach Palästina zu bringen. Hierzu sind weder die Juden willens, noch der Zionismus imstande, und schließlich reicht auch die Fassungskraft Palästinas hierzu bei weitem nicht aus. In Wirklichkeit handelt es sich nur um interpretiert worden wäre). — Immerhin wird es für Zwecke der vorliegenden Untersuchung dienlich sein, das Programm in extenso hierher zu setzen. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Zur Erreichung dieses Zieles nimmt der Kongreß folgende Mittel in Aussicht: I. Die zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden. IL Die Gliederung und Zusammenfassung der gesamten Judenschaft durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaltungen nach den Landesgesetzen. HL Die Stärkung des jüdischen Volksgefühles und Volksbewußtseins* IV. Vorbereitende Schritte zur Erlangung der Regierungszustimmungen die nötig sind, um das Ziel des Zionismus zu erreichen, **) Wie wertlos selbst völkerrechtliche Sicherungen gerade in unserem Falle sein können, zeigt die Lage der Juden in Rumänien, die im Berliner Vertrage von 1878 völkerrechtlich (also weit mehr als öffentlich-rechtlich) gesichert worden war. Was wir haben, haben wir viel sicherer, als durch das Völkerrecht und durch Abmachungen und Garantien,