Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (15.5.1913)
- Article
- Der grosse und der kleine Zionismus
- Date
- 1913-05-15
- Page
- Seite 94 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Davis Trietsch, Der große und der kleine Zionismus. einen Teil des Volkes und nicht nur um Palästina, sondern um den palästinensischen Länderkreis, welchen Gesichtspunkt übrigens der ganze Zionismus sich seit dem siebenten Kongreß ja zu eigen gemacht hat. Man würde also zweifellos das Programm besser mit den Worten formulieren: „Der Zionismus erstrebt im Interesse der jüdischen Gesamtheit die Schaffung einer sicheren Heimstätte in Palästina und seinen Nachbarländern." — Der Kürze halber könnte man auch sagen : „Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina." Aut die Nebensätze kann verzichtet werden. Schon von Anfang an haben die Ueberleitungworte es im Unklaren gelassen, ob diese Sätze von dem Kongreß als einer dauernden Einrichtung ein für allemal und sozusagen unabänderlich formuliert werden sollten, oder ob der erste Kongreß diese Sätze bestimmt habe und es künftigen Kongressen überlasse, hierin Aenderungen zu treffen. — Der erste Nebensatz ist ohnehin ziemlich nebensächlich, den vierten hat man so gut wie fallen lassen, und der zweite und dritte sind teils überflüssig, teils im Widerspruch mit dem Palästinaprogramm. Daß die Pflege des Jüdischen, daß Aufklärung allgemeiner und spezieller Art (Kultur), und daß Organisation nötig ist, um das Programm durchzuführen, ist ja ganz selbstverständlich. Selbstverständlich ist auch, daß die in Palästina zu schaffende Heimstätte nicht ohne Organisation und Kultur sein wird. Falsch hingegen ist es, als Mittel zu dem verhältnismäßigkleinen Palästinazweck (und zwar ausdrücklich nur zu diesem Zweck) die alljüdischen Forderungen der Organisation und Kultur aufzustellen. Ganz anders wäre es, wenn der Zionismus eine alljüdische Bewegung hätte sein wollen. (In dem Sinne nämlich, daß er alle jüdischen Aufgaben sich zum Ziele setzte. — Daß er für seinen Spezialzweck der Palästinaarbeit die Mitwirkung aller Juden haben möchte, machte ihn selbstverständlich nicht zur „alljüdischen Bewegung.") Als alljüdische Bewegung hätte der Zionismus dann aber die alljüdischen Aufgaben der Qesamtorganisation und der Pflege der Kultur in den Vordergrund stellen müssen, weil diese Aufgaben von allen Juden zu leisten und für alle Juden direkt erforderlich sind. Die Palästinaarbeit aber würde in einem alljüdischen Programm an die letzte Stelle kommen, weil sie zwar von allen zu unterstützen sei, direkt aber nur für einen Teil der Judenheit in Betracht kommt.