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Die Freistatt · 1913-05-15 · Heft 2 (15.5.1913) · p. Seite 82

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 2 (15.5.1913)
Article
Alljüdische Kritik
Date
1913-05-15
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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82 F. M. Kaufmann, Alljüdische Kritik. „Das Judentum ist der Zionismus", „Das Volk folgt uns." Diese Agitatoren wollen ja nur das Volk sehen, das sie brauchen für ihre schönen Theorien. Nicht sie wollen das Volk erleben — sie meinen, das Volk müsse sie und ihre Dutzendweisheiten erfühlen. Agitatorisch gefärbt ist alles, was dem Westen bisher erzählt wurde vom jüdischen Volk. Und nur, weil diese Farben so sehr dem vorzionistischen Bilde entsprechen, das sich der Westler vom Volk der Schnorrer, Habenichtse und Badeortprotzen machte, haben selbst die an Dürkheim Geschulten, die, die selbst an unwesentliche Fragen das Messer der methodischen Skepsis bohren, das Märchen vom zerfallenden Volk unbedenklich geglaubt. Den Einzigen aber, der die Herrlichkeit des Volkes erlebte als großer Künstler und sie dem Westen mit prophetischer Strenge verkündet hat, schwieg dieser Westen tot. — — — Wir sahen: in der Frage, ob die zentralen Judenheiten untergehen, kommen wir viel weiter, als zu einem non liquet; wir kommen zu ihrer Verneinung. Denn wir sind an die Quellen des jüdischen Lebens herangegangen. Wir sehen in den letzten Jahren eine neue jüdische Intelligenz im Volke heranwachsen, die nicht mehr volksfremd ist, nicht berauscht am Westen und unschönen Wörtern; nicht mehr so unfähig — wie es die alte war — Wachstumserscheinungen, das neue Leben in den Massen richtig zu deuten. Das Volk war eben stärker, viel gewaltiger als seine Söhne und hat sie bezwungen. Mehr und mehr von ihnen kommen zurück, und in ihnen ist ein unbeugsamer Wille, in allem, was sie jüdisch arbeiten, zu lauschen auf den Pulsschlag und den Lebenswillen der breiten Massen. Wir wissen aber, daß fast alles, was sich in diesen letzten 50 Jahren das Volk schuf und baute an neuen Positionen, ohne und häufig genug gegen die alte Intelligenz geschehen ist; daß wir noch weit entfernt sind von einer Organisierung, einer energetischen Verwendung und Lenkung der vielen zersplitterten Kräfte. Wir sehen hundert Möglichkeiten erstehen für eine zielbewußte, alljüdische Politik, die mehr will, viel mehr als ein kleines Palästina; die willens ist, nichts aufzugeben von den organisch gebauten Positionen, sondern alles daransetzt, sie zu stärken und auszudehnen. Mit dieser ersten These vom Zerfall der Judenheiten stürzen auch die weiteren Voraussetzungen zusammen, wie ein Tuch, das der Wind blähte. Kein weiteres Wort ist über sie zu verlieren.

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