Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (15.5.1913)
- Article
- Alljüdische Kritik
- Date
- 1913-05-15
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Nathan Birnbaum, Sprachadel. 83 Sc bleibt nichts übrig von den Leitsätzen der Zionismen als die Feststellung eines der ungeheuerlichsten, verderblichsten Analogieschlüsse, die die neuere Soziologie kennt. (S. Aprilheft, S. 11.) Das soll hier betont werden all jenen zum Durchdenken, die es ehrlich meinen mit ihrer Wissenschaftlichkeit, und nicht dann, wenn die kritische Methode alte Denkgewohnheiten bedroht, vordem heilige Prinzipien und Kautelen fahren lassen, um zu zu einem weniger als primitiven Denken zurückzukehren. Und was jetzt? Wir hören die Frage — unbefriedigt, bitter kommt sie hervor. Wir werden auf sie zu antworten suchen. Aber nicht auf diese Frage kam es heute an; nicht auf die Konsequenzen, die ihr hartes Durchdenken mit sich bringen kann. Sondern auf die Ehrlichkeit und die Tapferkeit dieses Denkens. Ehrlichkeit und Tapferkeit aber ist nur in wenigen. Beim Volk kann man sie lernen. SprachadeL Zur jüdischen Sprachenfrage.*) Von Dr. Nathan Birnbaum. Es gibt eine Reihe von Sprachen, die dadurch entstanden, daß die Juden gewissen nichtjüdischen Sprachen begegneten, sie mit Hebräisch vermischten und selbständig weiter entwickelten. Und es gibt Leute, die es lieben, diese Sprachen, höchst unpassend, als „Jargone" zu bezeichnen. *) In Obigen gebe ich die von mir selbst besorgte Uebersetzung eines Vortrages, den ich im vorigen Jahre im „Verein für jüdische Literatur und Kunst* in Königsberg und in der jüdischen Kulturgesellschaft in Berlin unter dem Titel „Der jiches fyn Jidesh" in jüdischer Sprache hielt, und der in dieser Sprache bei S, Lifschitz in Berlin erschien. Selbstverständlich will diese kleine Arbeit nicht den Anspruch erheben, die so schwere und verwickelte jüdische Sprachenfrage erschöpfend zu behandeln Wer mit meinen Meinungen über diesen wichtigen und verantwortungsreichen Gegenstand und die damit in Zusammenhang stehenden Gegenstände genauer bekannt werden will, wird wohl in meinen Schriften nachlesen müssen. Es ist klar, dass die Sprachenfrage in erster Linie die ostjüdischen Kreise als die unmittelbar Beteiligten interessiert. Nichtsdestoweniger glaubte ich die obigen Ausführungen auch den Deutschlesenden zugänglich machen zu müssen, um ein wenig das Dunkel zu zerstreuen, in dem sie mit mehr oder weniger Absicht über diese bedeutungsvolle Frage erhalten werden. — Da mir an einer möglichst genauen Wiedergabe gelegen war, konnte ich nicht verhüten, dass das Deutsch der Uebersetzung eine gewisse Fremdartigkeit aufweisst Dr, N« B.