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Die Freistatt · 1913-05-15 · Heft 2 (15.5.1913) · p. Seite 81

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 2 (15.5.1913)
Article
Alljüdische Kritik
Date
1913-05-15
Page
Seite 81 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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F. M. Kaufmann, Alljüdische Kritik 81 der Zionismen sind geboren aus den Wünschen und den Gefühlsregungen der volkentfremdeten Intelligenz. Wir gehen weiten Wir fragen, ob und welche Untersuchungen am Objekt den Voraussetzungen vorhergegangen sind? Wir stimmen dabei ruhig jenen zu, die uns bedeuten, eine von aktiven Kräften getragene Bewegung könne und dürfe nicht glatte, gefeilte Theorien abwarten, sondern müsse handeln. Das ist auch uns eine Banalität. Aber heute sind es 16 Jahre her, daß die zionistische Organisation gegründet war. Und wir fragen nach den vorurteilsfreien Untersuchungen, die in dieser langen Zeit stattfanden. Fragen, ob diese Untersuchungen das, was einst gefühlsmäßig und apodiktisch proklamiert wurde, bestätigen oder verwerfen. Und konstatieren: diese Untersuchungen haben nicht stattgefunden. Was bisher von zionistischer Seite vorgebracht wurde an Theorie, das ist Apologie. Das standard-work des Zionismus vergewaltigt die Wirklichkeiten in subjektivster Weise, prüft nicht die Voraussetzungen an den Wirklichkeiten, sondern benutzt die Wirklichkeiten, wählt sie aus, um die alten, liebgewonnenen Sätze zu stützen. Als ich das Ruppinsche Buch zum erstenmal las, da hatte ich den Eindruck: ein sterbendes Volk, eine unübersehbare Masse von passiven Naturen, von stummen Fatalisten — ein Totenheer. Und doch fragte etwas in mir: Kann das möglich sein? Juden, Judenmassen, ein Volk, ein komplizierter Organismus — und keine regenerativen Strömungen — keine Aufwärtsbewegung — alles anders als bei anderen, selbst bei alkoholisiertesten Völkern? Damals kannte ich noch keine Ostjuden, wußte nichts von ihrer Sprache und ihrem Leben; und dennoch regten sich starke Zweifel, weil mir dies alles soziologisch so unwahrscheinlich schien. Heute lache ich über das „standard-work". Aber bitter und voll Zorn, Daß man es wagen konnte, einem gewaltigen, riesenstarken Volk die willkürlichsten Prognosen zu stellen, — es wagen konnte, alles, was sich in ihm regt an urzeitlichen Kräften, das starke, unbändige Leben, das hier quillt, dem Westen zu unterschlagen; daß man Totengräber-Phantasien ausgab für Bilder vom Leben, Seit dieser Zeit sehe ich erst, was alles wir Westler am Volk sündigen. Hasse die dummdreiste Anschauung, als müsse das Volk froh sein, daß sich überhaupt der Westen mit ihm befaßt. Als habe das Volk nicht nach dem „Wie" zu fragen.

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