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Die Freistatt · 1913-05-15 · Heft 2 (15.5.1913) · p. Seite 78

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 2 (15.5.1913)
Article
Alljüdische Kritik
Date
1913-05-15
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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78 F. ML Kaufmann, Alljüdische Kritik. wer auch nur einigermaßen soziologisch zu denken gewohnt ist, der kann den Zionismus nicht auffassen als isolierte Erscheinung im westjüdischen Leben, der muß die allgemein-westlichen Klassenideologien wahrnehmen, deren der Zionismus so wenig entraten kann wie die krassen Assimilanten. Wir kommen zu den besonderen Voraussetzungen des Zionismus. Oder sagen wir schon: der Zionismen. Das heißt wir heben aus dem Wust der Fraktions- und Individualzionismen (man vergleiche Trietschens Aufsatz in dem vorliegenden Heft) die Leitsätze heraus, die ihnen allen gemein sind, und mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit vorausgesetzt werden. Die den Theoretikern des Zionismus als gar nicht mehr zu untersuchende, längst bewiesene Prämissen gelten, denen zur Liebe und zur Stütze man die Tatsachen gar oft seltsam genug ausgewählt und benutzt hat. So wie es Ruppin tat, der in seiner durchaus subjektiven und unkritischen Darstellung (Das Buch „Die Juden der Gegenwart" ist keine Studie, sondern eine sehr willkürliche, ratiopalistische Darstellung) niemals an das dachte, woran der Forscher in erster Linie zu denken hat: Die von vornherein gefühls- und suggestionsmäßig hingestellten Leitsätze an den Tatsachen zu prüfen, — sondern der kritiklos mit diesen Leitsätzen operierte, und alles herangezogene Material nur aus dem einen Gesichtspunkte heraus bearbeitete: die von vornherein feststehende These zu stärken und zu festigen. Diese Thesen aber wuchsen organisch aus jener Ideologie hervor, die wir vorhin als die der volksfernen bürgerlichen Schichten kennen lernten. Sie verdichteten sich zu jener berüchtigten Trinität, die der Zionist aus Volk, Heimstätte und Palästina konstruierte, und lassen sich leicht aus ihr ableiten, Sie lauten: 1) Die Entwicklung der Golusjudenheiten ist eine einheitliche; sie strebt in eindeutiger Richtung der Auflösung zu. 2) Es existiert ein eindeutiges Golusproblem. 3) Es gibt für dieses Problem eine einheitliche Lösung. Bevor wir an die Kritik dieser Voraussetzungen gehen, ist nachzuweisen, daß dies wirklich die allgemeinen Grundlagen der Zionismen sind. Sonst haben die hier Kritisierten einen gar zu leichten Stand, und könnten diese ganze Untersuchung ablehnen, als träfe die nicht sie, sondern irgendwelche Hirngespinste, die wir den Zionismen als ihre Voraussetzungen zuschreiben. Dieser Beweis ist einmal empirisch zu führen. Nehmen wir die erste Voraussetzung, die von den untergehenden Golusjudenheiten handelt. Dieser Satz ist, nachdem Ruppin zu seiner Erhärtung alles zusammengetragen hat, was sich dazu irgend-

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