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Die Freistatt · 1913-05-15 · Heft 2 (15.5.1913) · p. Seite 74

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 2 (15.5.1913)
Article
Alljüdische Kritik
Date
1913-05-15
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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74 F. M. Kaufmann, Alljüdische Kritik* Einzelheiten* — Graue, schaudererregende Farben — Dunkel Der Tod dort, überall, wo sich heute aufbauendes Leben regt. So sagen dann die Tatsachen: Nicht der Westen ist der Treibende, der Lebende, der Wählende — der Getriebene ist er. Alles was er tat, was er plante, organisierte in jüdischen Dingen, das tat er unter dem Zwang, das „wählte" er, weil das Volk lebte, und ihm von seinem Leben gab; weil der Lebensstrom aus den übermächtigen zentralen Judenheiten ihn erfaßte und mitriß. — So kommt diese Auffassung dazu, die Souveränität des Volkes, der zentralen Judenheiten zu verkünden, über alle Kasten, Schichten und Parteien. (Von den logischen und ethischen Konsequenzen, zu denen sie nötigt, wird später zu reden sein). Die teiljüdische Auffassung — das ist die, deren grundlegende Voraussetzungen hier dargestellt und geprüft werden sollen. Sie ist die gefühlsmäßige Auffassung aller vom Volke fernen Teile. Und nicht nur der räumlich, territoriell — auch die der klasslich fernen Teile, Es geht also nicht an, den ersten besten ostjüdischen Intelligenzler als Kronzeugen anzurufen in jüdischen Dingen. Als ob es nicht unter sechs Millionen russischer Juden eine genau so starke, volkentfremdete, sich der Volkssprache und der alten Sitten schämende bourgeoise Schicht gäbe, wie sie einst im deutschen Volkstum vorhanden war. Als ob ein Odessaer Bürgerssöhnchen, ein Lodzer Großkaufmann auch nur das geringste Verständnis hätten für die breiten Massen des jüdischen Proletariats. Der Westler ahnt aber gar nicht, daß gerade die Leute, die ihn bisher über den Osten informierten, entweder schon in Rußland durch die Nachwirkung der von Deutschland importierten Haskalah verwestlert und dem Volk entfremdet wurden, oder aber, als sie in den Westen kamen, wie Nachtfalter in das Licht seiner Zivilisation hineinfielen, und beim Naschen an so vielen Dingen jeden Maßstab und Sinn für das Volk verloren. Wird also in der Folge von Westlern gesprochen, so treffen und meinen wir mit diesem Wort auch jene östlich-bourgeoisen Schichten (Russischisten und extreme Hebraisten), die ihrer sozialen und geistigen Struktur nach der volkentfernten Westjudenheit nahestehen und mit ihr die teiljüdische Auffassung gemein haben. Nun stellen die, welche dieser Auffassung unterliegen, ganz und gar keine einheitliche Partei dar, sondern spalten sich in die verschiedensten Lager. Da sind einmal die krassen Assimilanten vom Schlage eines Geiger; dann jene Orthodoxen und Liberalen,

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