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Die Freistatt · 1913-04-01 · Heft 1 (April 1913) · p. Seite 53

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (April 1913)
Article
Die Krähe
Date
1913-04-01
Page
Seite 53 (sequence 8)
Language
German
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53 und Heß sich Abendbrot ins Badetuch packen. Er verbrachte den Nachmittag im Walde nicht allzuweit von der erkorenen Stelle, lesend, essend und mehr Cigaretten verbrauchend als sonst; die belastende Erregung seines Gemütes durchbrach bei jeder schwächeren Stelle die Spannung des »Waldläufers«, und je tiefer und stiller der Abend sank, umso lauter hieb sein Herz ins Schweigen . . . Der Himmel tönte sich grün, an gewissen Stellen fanden sich Sterne ein, der Himmel dunkelte zu schwärzlichem Blau und ward schließlich ganz schwarz, von Wolken überwältigt Der Täg in freier Luft und die unerleichterte Anspannung ließen Leo gähnen und einschlafen; er lag auf dem Rücken in ein graues Cape gewickelt, unter dem er die Faust um den Griff des Dolchmessers schloß, dah er während der letzten langen Ferien seinem Vater entwendet und stets heimlich aufbewahrt hatte; eine sehr scharfe und spitze lütticher Klinge mit einem Griff aus schwerem Horn, gebogener Scheide und geradem starkem Rücken, der von der Spitze bis zum Heft so lang war wie eine Hand. Er ruhte wie ein schlanker Baumstamm am Boden, und nur sein halb offener Mund, der kleine Zähne entblößte, gab dem schlafenden Gesicht ein kindliches Lächeln. Die dicken Tropfen eines ersten kurzen Regenfalls weckten ihn; er erschrak entsetzlich, denii er war gewiß, die rechte Zeit verschlafen zu haben, bis sein elektrisches Lämpchen ihm zeigte, daß der Uhr noch zwanzig Minuten zu elf fehlten. Er verbarg sein Rad am Waldrand und fand sich nach zehn Minuten, einen Eisenbahndamm überkletternd, bei seinen Birken, deren Wipfelstellung er selbst vor dem nur schwach helleren Himmel unverwechselbar kannte. Es regnete nicht mehr, die Luft lag dick, duftend und warm über Erde und Wasser. Er hörte endlich den Schritt der Wache, die Stille der Nacht näherte ihm die Quelle des Lauts, als habe er den schmalen Fluß schon im Rücken; dann entfernte sich der Soldat, und Leo entkleidete sich Er hatte schon daheim unterm Hemd die Badehose angelegt; der Einfall, daß er sie eigentlich nicht brauche, war ihm nicht gekommen. Er wickelte sich in das schwärzliche Cape, wegen der Wärme und um der Schutzfarbe willen, und behielt aus dem letzten Grunde die langen schwarzen Strümpfe. Diese ungewöhnliche Kleidung und die Nachtluft an der Haut des Körpers stimmte ihn fröhlich; außerdem trug ihn die prachtvolle Erregung des Abenteuers und die Ungeduld des Hasses, seit ihm der Feind nicht mehr entfliehen konnte. Der Gedanke kam, alles könne fehlgehen; er zuckte, wie wohl erblassend, die Achsel; dann ging er eben den Weg des Vaters , . Er schnallte einen Lederriemen um die Hüften und band daran, einem Einfall folgend, die steife Krähe; außerdem das Messer; es begann alsbald wieder heftig zu regnen. Als der Soldat aller Wahrscheinlichkeit nach fern genug sein mußte, lief Leo bis ans Ufer, hinter einem Weidenbusch entledigte er sich der Strümpfe, wickelte sie in Cape, das er schlauchförmig zusammendrehte, band es sich wie

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