Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Das jüdische ökonomische Leben
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 37 (sequence 7)
- Language
- German
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und kulturellen Reichtum die Juden mit ihren Bündeln auf der Flucht aus Rußland mitbringen. In den ostjüdischen amerikanischen Zentren erscheinen an hundert jüdische Blätter, darunter einige Dutzend täglicher Zeitungen in einer Verbreitung von 300000 Exemplaren, In New-York allein gibt es Dutzende von jüdischen Vereinen sozialen und philanthropischen Charakters, die jährlich viele Millionen Dollars ausgeben. *) Welche Rolle die Juden, als Juden, im politischen Leben Amerikas spielen, ist jedermann bekannt. Zwei Tatsachen aus der letzten Zeit zeigen es besonders deutlich: Der Abbruch des Vertrages mit Rußland und die Debatten im Kongreß und im Senat anläßlich der Beratung des neuen Einwanderungsgesetzes, das schließlich vielleicht durch die Juden fiel. Wenn wir noch von der Palästinakolonisation sprechen, die viel Volksgeld und Volksopfer gekostet hat, und noch kostet, und wenn wir uns an die Anfänge breiter nationaler, allgemein-nationaler Unternehmungen erinnern, deren Gedanke die Ostjuden zuerst aussprachen — Emigrationskongreß und jüdisches Parlament —, dann werden wir gestehen müssen, daß die Ostjudenheit einen Schatz von sozialen Kräften und kulturellen Möglichkeiten birgt, den man nach seiner Erschließung nicht über die ganze Welt verschwenden und vergeuden darf, sondern ökonomisch und organisiert für höhere Volkszwecke, für hohe nationale Ideale benützen muß. Jetzt haben wir doch zumindest die notwendigen Elemente, um ein neues jüdisches Leben zu bauen. Wir ackern noch mit dem einfachen Pflug, wir säen noch mit den primitivsten Mitteln, unser Boden ist noch sehr vernachlässigt und voll von Steinen — aber wir ackern, wir säen, wir reinigen den Boden . . . Das 19. Jahrhundert, die Zeit der tiefsten und stärksten Aenderungen im jüdischen Leben hat den Baum der jüdischen Renaissance schon gepflanzt, das zwanzigste hat die ernste und verantwortungsvolle Aufgabe übernommen, dem noch schwachen und jungen Baum gute Bedingungen zu geben, auf daß er schön und frei wachsen, mit seinen Wurzeln tief in die Erde greifen und seine Aeste breit entfalten könne . . . Die „ejde milbn" hat sich schon zur Stufe eines Volkes erhoben. Aus dem Volke muß sich eine freie, selbständige Nation *) Siehe „The Jewish Year-Book" aus den letzten Jahren und auch „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden* 1912, H. 2-