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Die Freistatt · 1913-04-01 · Heft 1 (April 1913) · p. Seite 36

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (April 1913)
Article
Das jüdische ökonomische Leben
Date
1913-04-01
Page
Seite 36 (sequence 6)
Language
German
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36 zu einer nationalen, jüdischen Volksschule. Die „Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks" mit einem Budget von ungefähr 50000 Rubeln sorgt für professionelle Bildung, Kurse für erwachsene Arbeiter und Handwerker, für Selbsthilfs-Institutionen unter Handwerkern und veranstaltet spezielle Untersuchungen über die ökonomische Lage der unter Juden verbreiteten Gewerbe. Das politische und gesellschaftliche Bewußtsein ist ungeheuer gewachsen. Das zeigte sich sehr scharf bei den letzten Wahlen in Warschau. Die jüdischen politischen und gesellschaftlichen Parteien und Organisationen stellen schon eine gewisse Kraft vor, mit der man rechnen muß, die aber efst bei freien politischen Zuständen wachsen und sich entwickeln wird. Die Presse in jüdischer Sprache, die im Ganzen zehn Jähre alt ist, zählt jetzt 13 tägliche Zeitungen, die in einer Auflage von mehr als 200000 Exemplaren erscheinen und sicherlich über eine halbe Million Leser haben. Die Literatur in jüdischer Sprache wächst \on Tag zu Tag, die Verlage haben große Umsätze und machen gute Geschäfte. Wenn man bedenkt, was die Ostjuden in Amerika im Verlaufe einer Generation geschaffen haben, so muß man staunen. Wir wollen nur einige Tatsachen erwähnen. Der jüdische „Arbeiterring", eine Versicherungsgesellschaft gegen Krankheits- und Todesfälle, zahlt 35000 Mitglieder und hat ein jährliches Budget von über zwei Millionen Mark, Die jüdischen Arbeiterunions haben zehntausende Mitglieder. Die Farmerorganisation, ein Kind der ostjüdischen Selbständigkeit, umfaßt jetzt an 20000 jüdische Farmer, denen sie billigen Kredit, billige Aussaat und Agrarlheratur verschafft. Auf dem letzten Kongresse wurde eine Ausdehnung der Aufgaben dieser Organisation beschlossen, durch Schaffung einer Agrarbank und einer Agrarkommission, die den Kauf von Farmen organisieren, die jüdischen Farmer auf einzelne Punkte konzentrieren und die Erziehung der Kinder zu nationalisieren suchen soll. Die Geschichte der jüdischen Kolonisation in Kanada ist eins der schönsten Blätter in der Kolonisationsgeschichte der letzten Jahre. Ohne jede Initiative irgend einer Gesellschaft kamen Juden, wanderten tagelang im tiefen Schnee, arbeiteten jahrelang im Winter an den Bahnen und im Sommer auf dem Felde und rangen sich zu einigen blühenden Kolonien durch, auf die wir stolz sein können. Die argentinischen Kolonien haben sich trotz aller Fehler der Jca-Verwaltung glänzend entwickelt und das beweist wieder, wieviel soziale Energie, seelische Ausdauer

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