Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Das jüdische ökonomische Leben
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 38 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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bilden. Die Ziegel aber zum künftigen nationalen Gebäude unserer vollkommenen Freiheit müssen im Volke selbst gefunden werden. Die Arbeit auf allen Gebieten — sozialen, kulturellen und politischen die das Volk von selbst tut, zeigt, wie viel Kräfte in ihm verborgen Hegen. Unseren westlichen Brüdern zu erzählen von dem, was unter den östlichen Massen auf sozialem Gebiet schon geleistet worden ist, was jetzt in dieser Hinsicht getan und aus verschiedenen Gründen — Mangel an organisatorischen und intellektuellen Kräften, Geldmangel etc. — nicht getan wird, das wird die Aufgabe unserer künftigen Uebersichten sein. Wir versprechen dem Leser keine vollständige Objektivität — wir halten sie im allgemeinen und in der Publizistik im besondern für unmöglich. Wir werden uns aber möglichst bemühen, dem Leser in genügendem Maße Lebenstatsachen so zu bieten^ daß das empfangene Bild nicht einseitig und in einer Farbe erscheine. Sobald der westliche Leser nur den Lebenspuls des Ostjudentums hören und spüren wird, wird er sich als Mitglied eines lebendigen jüdischen Volkes fühlen, und nicht eines Volkes der Vergangenheit, wie die einen behaupten, und nicht nur der Zukunft, wie's die andern versprechen sondern auch der Gegenwart, wie es das Volk selber beweist. Aus dem jüdischen Manuskript. Jüdische Innenkolonisation in Galizien, Von Benzion Rubetein, Wien. Das Problem, den Juden neue Erwerbsquellen zu erschliessen, gehört sicher eu den brennendsten, ist womöglich die brennendste Frage des jüdischen Lebens. War es bisher der Handel, in dem bis in die jüngste Zeit die grossen Massen der osteuropäischen Juden Beschäftigung und Lebensunterhalt fanden, so ist dessen ökonomische Bedeutung für das jüdische Volk heute in einer sich von Jahr zu Jahr steigernde» Abnahme begriffen. Nicht nur hat auf dem platten Lande die Konsumbewegung, die sich dort in den letzten Jahren besonders stark entwickelt hat, einen sehr grossen Teil der jüdischen Dorfbevölkerung, die hauptsächlich vom Kleinhandel lebt, überflüssig