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Die Freistatt · 1913-04-01 · Heft 1 (April 1913) · p. Seite 32

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (April 1913)
Article
Das jüdische ökonomische Leben
Date
1913-04-01
Page
Seite 32 (sequence 2)
Language
German
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32 und plötzlich; als daß sich aus der materiellen Verschiedenheit eine soziale Differenzierung hätte herausbilden können. Im Verhältnis zur Außenwelt bildeten die Juden nicht nur eine ethnographische und religiöse, sondern noch mehr eine soziale, eine Klasseneinheit Es gab niemanden, an den sie sich hätten assimilieren können. Der Herr stand zu hoch, der Bauer zu tief. Der Jude bildete die Mitte zwischen zwei anderen Klassen. Und deshalb fehlte jede nähere Massenberührung mit der Umgebung, mit der hohen, der adeligen, sowohl wie mit der primitiven, der bäuerlichen Einzelne, die vom fremden Baume der Erkenntnis genascht hatten, wurden mehr von der Neuheit der fremden Kultur als von ihrem wahren Inhalt oder Wert berauscht Zu einem schöpferischen, selbständigen Leben waren keine Kräfte vorhanden: man hing zwischen Klassen anderer Völker und war von diesen abhängig. Das Leben zwischen nnd nicht mit anderen isolierte alle Juden von der Umgebung und schmiedete die zerkrümelten Glieder des verstreuten Volkes zusammen. Aber die Abhängigkeit von anderen, der Tauschcharakter des ganzen sozialen Seins machte das Zusammenleben fruchtlos und blutarm. Das Isolierungsmoment genügte, um das Alte, das Mitgebrachte zu konservieren. Doch das Zusammenleben gleicher Glieder gab keinen Saft, um Neues zu gebären, selbständig zu schaffen. Wenn man die Schriften des russisch-jüdischen »Aufklärers«, J. B. Lewinsohn liest, so läuft einem ein Schauer über den Rücken : Ein großer Teil des Volkes lebt von der Schänke, Kleinkrämerei und Hausieren und kann unter den gegebenen Bedingungen ohne „upnarn yn ibernemen" (Täuschen und Uebervorteilen) *) nicht existieren; kein kleinerer Teil des Volkes lebt von „lek yn shmek" (aus der Hand in den Mund) — von Verdiensten des „pekale" (Bündel) oder einfach „fynem wint" (vom Winde). **) Ein Hänflein „farshmoper'e" (schmierige) Reiche lebt von einem „kwitale of a purec" (»Zettel« auf einen »Herrn«) oder von „gnejweshe taksalech" (Diebssteuern). Und die Führer, die Gemeindevorsteher sind „ganuwem, rocchem, wus lejgn zech nor — zej zoln räch wem fyn ureme lät" (Diebe, Mörder, die nur trachten, durch arme Leute reich zu werden).**) Und die Rabbinen und geringeren Gemeindefunktionäre, die Hilfsrabbiner, Schächter, Kantoren, Vertrauten, „ejniklech" (Enkel eines *) J, ß Levinsohn: „Teyduh Ce-Jisruejl" S. 178-179. **) J. B Levinsohn: „Di hefkerwelt",

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