Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1913-04-01 · Heft 1 (April 1913) · p. Seite 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (April 1913)
Article
Judaismus und nationales Judentum
Date
1913-04-01
Page
Seite 29 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3119801-3119802-3119803-3119943--0039-3120021
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

29 ein bestimmter Ideenkomplex, kann nie ein nationales Dtfferenzierungsmoment bilden, nur die Form vermag es* Und der Inhalt des Judentums kann erst recht nicht ein nationales Moment bilden. Wir sahen ja, daß in ihm keine Individualelemente wirken; daß er seiner Anlage nach in Universalismus münden mußte, seiner Natur nach anational, ja antinational ist. Wir sahen bereits, die Erhaltung des sittlichen Inhalts des Judentums ist keineswegs mit der nationalen Erhaltung des Judentums zu identifizieren; dieser Inhalt wird auch außerhalb der nationalen Grenze unserer Existenz erhalten und zwar in der Form der allgemein-menschlichen sittlichen Ordnung, des Sozialismus und der vielen Kulturinstitute, die den Geist des Judentums verwirklichen. Nur Formen können ein nationales Kriterium bilden. Wir können die Distanz zwischen den Kriterien des Inhalts und dem der Form an den zwei entgegengesetzten Strömungen im modernen Judentum ermessen: die Assimilationsprediger, die nie müde werden, das „Wesen des Judentums" und den „Geist des Judentums" zu verherrlichen auf der einen Seite; die Vorkämpfer unserer nationalen Renaissance, Schöpfer der neuhebräischen Literatur (z. B. Berdiczewsky, Tschernichowsky u. a, m.), die gegen diesen Geist und dieses Wesen in Opposition treten — auf der anderen Seite. Wer von beiden Gruppen schafft nationale Werte? Die Antwort ist klar. Es ist nur natürlich, wenn sich der Afternationalismus so sehr gegen den modernen Zionismus gewehrt hat. Der Zionismus besagt in seinem tiefsten Grunde die Eliminierung des Inhalts aus dem nationalen Kriterium, das sich nur von Formen, wie vornehmlich Land und Sprache, bestimmen läßt. Der Zionismus stellt daher die strenge Konsequenz der nationalen Erkenntnis dar. Er bedeutet eine neue Epoche als Grundlegung eines neuen Kriteriums des Judentums. V. Soweit der skizzierte Inhalt der bedeutsamen Abhandlung, die die Grundgedanken der nationaljüdischen Theorie so klar und überzeugend formuliert hat Und es ist sehr interessant und ein glückliches Spiel des Zufalls zu nennen, daß fast zugleich mit dem Erscheinen dieser Abhandlung ein Dokument das Licht der Oeffentlichkeit erblickt hat, das gleichsam einen empirischen Beweis für die unbedingte Richtigkeit des von Dn Klatzkin ausgesprochenen Gedankens bildet: Die Auffassung des Judentums als einer bestimmten Lehre, als eines bestimmten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.