Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Judaismus und nationales Judentum
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 28 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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28 und nur in Vorwegnahme der erstrebten Zukunft und in Verneinung der Galutgegenwart legitimiert sich unser Nationalismus* Ohne die Richtung auf eine nationale Zukunft unseres Landes und unserer Sprache, ohne die Orientierung an diesem Seinsollen, das noch kein Sein darstellt, können wir für das Judentum den Begriff einer Nation nicht beanspruchen* In der Diaspora haben wir aufgehört, eine Nation zu sein — sagen die Assimilationsjuden. Und der echte Nationalismus muß erwidern: Wir sind eine Nation auch in der Diaspora, insofern unser Wille auf die Erlösung aus der Diaspora gerichtet ist; auf die Wiedergeburt unseres Landes und unserer Sprache* Auch in der Diaspora bilden wir eine nationale Einheit, auch im fremden Lande und in fremder Sprache, wenn wir nur im Geiste des Judentums leben und wirken — sagt der Galut-Nationalismus. Und der echte Nationalismus muß erwidern: In einem fremden Lande und in einer fremden Sprache ist unsere Existenz nie national, selbst wenn wir noch so sehr im Geiste des Judentums, der jüdischen Religion oder Sittenlehre leben und wirken. Ohne die Korrelation des nationalen Landes und der nationalen Sprache ist der Nationalismus im Galut ohne Sinn, und die Assimilation — eine mutige Konsequenz, Wir kennen aber auch den besseren Stil des Afternationalismus, der die Verneinung des Galut ausspricht und die Forderung von Land und Sprache aufstellt. Nur begründet er es auf seine Weise: Land und Sprache sind ihm „bloss" die nationalen Formen, der Geist des Judentums „aber" der nationale Inhalt Welchen Wert hätten die Formen ohne Inhalt? Welchen Sinn hätte ein Martyrium für Formen, wenn es nicht um des großen Inhalts, des Bekenntnisses, der Ideen des Judentums willen geschieht? Verlohnt es sich für inhaltslose Formen einen Kampf zu führen? So fragt der geistige Nationalismus. Hier erkennen wir den Grundirrtum der nationalen Theorie vom Geiste des Judentums, Sie hat mit der Religion eine gemeinsame Methode in der Anerkennung eines Inhalts als eines Kriteriums des Judentums, Nur ist diese Methode im Wesen des religiösen Kriteriums, das ein Bekenntnis zu einem bestimmten Inhalt fordert, tief begründet, bildet aber einen inneren Widerspruch zu einem nationalen Kriterium* Der Inhalt einer Lehre, ein religiöses Bekenntnis, eine Weltanschauung,