Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Judaismus und nationales Judentum
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Ideen-Komplexes muß zur Assimilation führen. Ich meine das vierte Buch des „Heatid", in dem eine Reihe namhafter hebräischer Schriftsteller sich über die Frage der Zukunft des jüdischen Volkes und des Judentums aussprechen. Ich will hier in aller Kürze nur einige Sätze zweier Schriftsteller anführen, die diese Konsequenz des geistigen Nationalismus bewußt oder unbewußt vertreten, David Neumark, der gelehrte Verfasser der Geschichte der jüdischen Religioasphilosophie, schreibt: Judentum ist die Idee des Guten. Auch Plato war Jude . . . Das Judentum ist ewig. Bevor es Jueden gab, gab es ein Judentum. Wenn alle Juden verschwinden sollten, selbst wenn diese Welt vernichtet werden sollte, wird doch das Judentum fort existieren als unzerstörbare Idee. . . . Und am drastischsten bringt es Dr. Kaminka zum Ausdruck: Die Garantie für die Erhaltung des Judentums besteht nicht in der Konzentration der Juden, sondern darin, daß die Weltanschauung des Judentums allen Völkern bekannt und vertraut werden wird. Dazu ist die Diaspora berufen. Ebenso ist es ja auch mit der Mathematik, deren Existenz nicht durch das Dasein der Mathematiker garantiert wird, sondern durch ihre ewige Wahrheit , . . Zur Erhaltung des Judentums also — das ist der Schluß, der sich aus alledem ergibt, — ist die Erhaltung des jüdischen Volkes als einer nationalen Einheit nicht nötig. Demgegenüber gewinnt der Satz des Dr. Klatzkin an methodischer Bedeutung: Was dem Geiste des Judentums fördernd ist, das ist gar oft eine Gefährdung für unsere nationale Existenz.