Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Judaismus und nationales Judentum
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 27 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1 ■ , »- .vtk, , - v- ...... 27 ■-■ _ ■«'%-.-::v>"->|i..^o,»rl „Geistes des Judentums", im Namen der universellen Ideen unserer Propheten die Aufgabe des judischen Partikularismus, will sagen, der nationalen Sonderart forderten. Aus dem Geiste des Judentums heraus gelangte sie also zur Assimilation. Ist die Erhaltung des Judentums mit der Erhaltung seines sittlichen Geistes idendisch, so haben ja unsere modernen Assimilationsrabbiner recht, wenn sie predigen : Wir verrichten in der Diaspora eine hohe Mission des Judentums Unser Geist verbreitet sich über die Menschheit in allen Erdteilen; er wird erhalten, indem er seine nationale Besonderheit aufgibt; er wird gefördert, indem er Gemeingut aller Menschen wird. Also, was dem Geiste des Judentums als einer Sittenlehre fördernd ist, ist für die nationale Sonderart des Judentums gefährdend. Wie viel vom Geiste des Judentums ist im Socialismus erhalten und wie wenig doch vom nationalen Sein des Judentums. Und ist nicht der Socialismus vielmehr eine Art von Exproprierung des „Geistes des Judentums"! Die Ideen des Judentums verbreiten sich immer mehr — freilich, aber bedeutet es denn nicht, daß sie immer mehr aufhören, unser nationales Eigentum zu sein, indem sie in den Besitz der Menschheit übergehen? Somit müssen wir den Satz aussprechen: Wahrung und Förderung des Geistes des Judentums, des Monotheismus, des Messianismus, des Optimismus und all der sittlichen Ideen, die als Judaismus bezeichnet werden, bedeutet noch nicht Wahrung und Förderung unseres nationalen Seins; gar oft ist das Wohl dieses Geistes das Weh unseres Seins. IV. Will also der Nationalismus den „Geist des Judentums" verneinen? Dieser Vorwurf wäre ungerechtfertigt Er will ihn nicht verneinen, sondern nicht als ein nationales Kriterium gelten lassen. Er will das Jude-Sein nicht durch ein subjektives Moment, durch ein Bekenntnis bedingen, sondern durch ein objektives: Land und Sprache. Diese bilden die Formen unseres nationalen Seins. Aber unser Land ist nicht unser, unsere Sprache noch nicht Volkssprache. Freilich, sie sind Anticipationen einer nationalen Forderung,