Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Judaismus und nationales Judentum
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 26 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119803-3119943--0036-3120018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- - >,=».:■ .. -- - - :- , .-w. . ^------■ " -" ■ - - ' ■-------- nicht erschüttert wurden. Nur Differenzen, die eine Reform des Gesetzes, der Handlung erstrebten, haben die Homogenität des Judentums untergraben. So entstanden die Sekten der Essäer und Saduzäer. Eine Analyse des „Geistes des Judentums" zeigt also; a.) dieser Geist ist nicht in einem Lehrgehalt begründet und kann daher nicht in einer bestimmten Ideologie ein Kriterium haben, b.) dieser Geist hat seinen Ursprung nicht in den Individualelementen des Gefühls und der Phantasie, die die schöpferische Kraft des Mythos bilden, sondern in den Uni Versalelementen einer nationalen Sittlichkeit, die nach allgemein menschlicher Geltung tendiert; er kann daher kein nationales Kriterium bedeuten, weil er rational-universal gerichtet und kein Differenzierungsmoment ist Das Nationale kann nur in einem Individualelernent, nicht in einem Universalelement legitimiert werden. Dieser Geist des Judentums, der gegen die mythologischen Erzeugnisse der individuellen Schöpferkraft des Gefühls und der Phantasie in Opposition getreten war, und somit den Kunsttrieb, den intimsten Ausdruck der Persönlichkeit unterdrückt hatte, ist nicht nur anational, er ist antinational. Wir pflegen uns oft zu trösten: das Judentum ist ein ewig sittliches Ideal, das nie aufhören kann — und merken nicht, daß wir damit den tiefsten Judenschmerz ausdrücken: das Judentum kann nie aufhören, weil es seinem Wesen nach nicht national, sondern universal ist, d. Ii. ein ewig sittliches Ideal. Wir verkünden es mit Stolz : die Ideen des Judentums dringen immer mehr in der sittlichen Kultur durch und erobern die Menschheit — und merken nicht, daß wir damit sagen: die Ideen des Judentums treten immer mehr aus der Sphäre des Nationalen heraus und werden Gemeingut der sittlichen Menschheit. Diese Ideen sind ihrer rational-universalen Anlage nach „transportfähig", eignen sich daher für Mission; sie sind gleichsam mobile Güter, im Gegensatze zu den Individualwerten der Kunst, die tief in der Persönlichkeit verankert sind und gleichsam immobile Güter des Geistes darstellen. Durch diese universelle Uebertragbarkeit der Ideen des Judentums erklärt sich der Gedanke der jüdischen Mission Es ist nicht von ungefähr, daß die westeuropäische Judenheit im Namen des