Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Die Erstarkung der westlichen Jüdischkeit
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 12 (sequence 8)
- Language
- German
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heute aber steht zwischen den zentralen Volksmassen und den Westjuden das zionistische Palästinaphantom,, stehen seine vielen bourgeoisromantischen Aspirationen, und stempeln jede Tat, die der Judaisierung des Westens dienen könnte, um zu einer Tat ad majorem gloriam der Partei und nicht des Volkes. Memmen also die Judaisierung des Westens, das Hineindringen des warmen stärkenden Herzblutes aus den zentralen Teilen des Organismus in die fast abgestorbenen, erfrorenen Peripherien. Und machen das, was für die Westjuden nur eine Phase, der erste noch unsichere Schritt im Prozess ihrer innerlichen Erstarkung hätte sein dürfen, zur Partei erstarren. Lassen den Westen über seinen inneren volksfremden Bourgeois, — mag er auch nationalistisch, aesthetisch, ethisch oder romantisch frisiert sein — nicht hinwegkommen. Darum ist es, dass wir über den heutigen Zionismus hinauswachsen müssen: weil er volksfremd ist, weil er alle die starken Positionen, die das Volk sich in organischem Schaffen und Kämpfen erobert hat, nicht nur nicht stärkt und hält, sondern sie aufgibt aus schlimmer, bequemer Ignoranz — die Gegenwart aufgibt, weil sie seinen Voraussetzungen trotzt und sie widerlegt. Die bange Angst vor Chamberlain und W«ihinger steckt dieser Intelligenz noch immer im Mark, Sie hat sie verborgen, aber nicht verloren. Sie hat nie den Mut besessen, die jüdische, die alljüdische Gegenwart — und das ist in der Hauptsache die ostjüdische — zu bejahen. Sie hat das Volk, den Mann aus dem Osten verachtet, schlimmer als es je eine Intelligenz tat. Täglich noch erleben wir's, wie sie seine Sprache brandmarkt, als sei die der Wechselbalg einer polyandrischen Dirne und nicht die Schöpfung der Allmutter, die jüdisches Volk heisst. 6. Der Westen muss znr Bejahung der jüdischen Wirklichkeiten kommen. Was soll ihm der Sprung in die Zukunft, wenn er schon an der Gegenwart verzweifelt? Die zweite Phase im Erstarkungsprozess der westlichen Jüdischkeit muss anheben. Wir wissen noch nicht, welche Wege sie geht, ob die Evolution des Zionismus aus der Utopie zur Realität, aus der Zukunftsromantik zur Gegenwartsbejahung