Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (April 1913)
- Article
- Die Erstarkung der westlichen Jüdischkeit
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 7)
- Language
- German
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^«-HkMWi 11 und gab ihr eine Ideologie nach ihren eigenen Wünschen und Nöten, Dass sie die Elemente, die Voraussetzungen zu dieser Ideologie nicht den Wirklichkeiten entnehmen konnte, vielmehr den Bedürfnissen der zentralen Volksmassen Gewalt antun, sie für ihre selbstischen Zwecke entstellen, ignorieren musste, das ist die wichtige aprioristische Feststellung, die wir der historischen Perspektive verdanken. Es wird uns nicht wunder nehmen, wenn wir dann später sehen, wie die volksfremde Intelligenz die ungeheuer komplizierten Probleme der zentralen Judenheiten in gewalttätiger Weise vereinfacht, ja versimpelt hat, sich nach ihrem Ebenbilde das imaginäre einer allerorts zerfallenden, untergebenden Judenheit *) schuf, und so zum trügerischsten aller Analogieschlüsse kam. Wenn wir sehen, wie sie diesem künstlich vereinheitlichten „Judentum" ein eindeutiges Golusproblem vindizierte und dem Golusproblem die Möglichkeit seiner einheitlichen automatischen Lösung apriorisierte: das Palästinaphantom **) als die Lösung der Judenfrage. 5. Darin eben liegt die Gefahr : Der Zionismus hat die ganze Energie und den Sinn jener wenigen Westjuden» die aus dem trüben Klüngel der Intelligenz heraus und zum Volke hinstrebten, von den jüdischen Wirklichkeiten abgelenkt Hat ihnen in Palästina ein Phantom geschaffen, dass nur noch stärker ihre volksfremden Instinkte nährt. Als der Zionismus noch nicht Partei war, nur Bewegung, da war noch Aussicht auf ein innerliches Näherkommen; 11 i ■_ .. i ■ . iimFu^m i i — - *) Die vulgare Doktrin spricht bekanntlich noch immer von Judentum und denkt sich dabei Judenheit, wo sie Judenheiten sehen sollte Auch dies ein nicht zufälliges Zeichen, wie wenig die westlichen Theoretiker den realen Organismus des Volkes berücksichtigt haben. **) Nicht in der Palästinaarbeit an sich erblicke ich das Phantomhafte — im Gegenteil, ich bedaure es, dass die Leistungen dem in Bewegung gesetzten Apparat keineswegs entsprechen, — sondern ich erblicke es darin, dass die einzige Partei, die gesamtjüdiscbe Aspirationen zur Grundlage ihres Programms machte, die lebenswichtigsten Positionen des Volkes aufgab; dass sie anstatt auch — nur und ausschliesslich Palästinaarbeit erstrebt. In diesem Zukunftsmusikantischen und der Gegenwartsblindheit des heutigen Zionismus sehe ich das Phantomhafte.