Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- Von der literarischen Kritik in der ostjüdischen Literatur
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 242 (sequence 8)
- Language
- German
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242 J, A. Loubetzki, Von der literarischen Kritik in der oatjücli&chcn Literatur \)mmm\mmmimin\^ sei und wir fühlten uns doch so nah«, so heimisch in ihr. «Mendale ist ein Zauberer, eine unergründlich geheimnisvolle Kraft geht von ihm aus, die einen zwingt, sich nahe verwandt mit unseren groteskkomischen Großvätern zu fühlen«. — Wirklich eine sehr gemütliche Erklärung, die zu nichts verpflichtet. Mendales Fähigkeiten sind also Zauber und unergründlich nicht nur für den Lesen sondern auch für Baal Machschuwes. Nun wirft sich die Frage auf, wozu diese Verschwendung an schönen Worten, wenn uns von vornherein bekannt ist, dal? wir Mendales Schaffen nicht erforschen können? Oder gehört es zur Kritik, über Sachen zu schreiben, von denen sie nichts versteht? Aber Baal Machschuwes stolpert nicht über dies sicherlich unbeabsichtigte Geständnis, daß ihm Mendales Schaffen ein Geheimnis bedeutet, und beginnt nach Pädagogenweise Mendales Kraft und Größe zu erklären. »Mendale«, sagt er, »wurde zum Maler der jüdischen Volksseele in ihrer werktägigen Heiligkeit und in ihrem wirren, realen Leben. Mendale hat die Zeit unserer Großväter nicht im Individuum, sondern in der Allgemeinheit verkörpert. Er hat uns den tiefen Gegensatz in der jüdischen Seele gezeigt, in ihrem Beharren in asketischer Heiligkeit und im Jagen nach alltäglichen Zielen. Er hat als Erster begonnen die jüdische Masse innig und aufmerksam zu beobachten. Er hat die ökonomische Not des jüdischen Volkes erfaßt, er besaß den scharfen Blick für seine Armut und bewies ein großes und tiefes Erbarmen für die jüdische Masse. Er steht daher in einem besonders natürlichen Verhältnis zu ihr«. Und nochmals wiederholt Baal Machschuwes, weil ihn dies äußerst wichtig dünkt, daß Mendale im Einzelnen die Allgemeinheit sieht »Er besitzt eine besondere Liebe für alles Jüdische und nur er hat die zarte jüdische Seele ganz erfaßt. Er hat die Seele der jüdischen Masse erlebt. Er ist der große Horcher und tiefe Erforscher, und nur ihm haben wir es zu verdanken, daß es uns möglich war, in die verborgenen Falten dieser Exils-Seele zu schauen*. Das sind kurz Baal Machschuwes kritische Bemerkungen über den alten * Vater Mendale*. Von den künstlerischen Dingen erfahren wir nichts. Ihr Bild verschwimmt. Aber das macht Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker