Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- Von der literarischen Kritik in der ostjüdischen Literatur
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 241 (sequence 7)
- Language
- German
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j* A. Loubetdki^ Vom d«r literftruehea Kritik in der Litmtur 141 fiinHtltlt}lllll!Hilllitlf}IMtllllHHltl!|llt!lftlllifiStl||[Ulil!HlltflllillfiHlllilllltHill)^ ihr beschleunigtes Tempo, das nervös-rhytmische Drängen und Hasten in ihrem Leben und Schaffen, in ihrem Vergnügen und Leiden, in ihrem Ueberfluß und Darben? Das alles spürt man in ihnen nicht. Die Helden dieser Schriftsteller bleiben Kleinstadtprodukte, der Scholle Entrissene, Entwurzelte, die zufällig im Wohnungsregister eines großstädtischen Meldeamtes eingetragen sind. Man sieht in ihnen nicht einmal die schwachen Reflexe der Großstadt Denn wohin sie auch kommen, setzen sie das stille provinzielle Leben auch fort. Wenn jedoch die Erwähnung eines Großstadtnamenn in einem Werke allein schon genügen sollte, um auf Großtadtrefle^e schließen zu können, dann ist dies in der jüdischen Literatur nicht wie Baal Machschuwes meint, ein Symptom der letzten Zeit, weil die Kleinstadt in Agonie liegt, sondern läßt sich schon in den ersten Anfängen des modernen jüdischen Schrifttums verfolgen. So lassen schon Smolenski und Braudes ihre Helden und Metsachen in Aschdos oder Odessa, also in einem Großstadtmilieu agieren. Durchaus falsch ist auch Baal Machschuwes Behauptung, daß die romantische Schilderung von Schülern Aschs Städtchen der beste Beweis dafür sei, daß die Kleinstadt ihre lebendig greifbare Nähe verloren habe, daß sie nur noch eine ferne phantastische Kindheitserinnerung sei und schon nicht mehr eine Gegenwart, eine reale, lebende und nahe Macht vorstelle. Diese Schilderungsmethode hängt nicht am Städtchen, dem Gegenstand der Darstellung, sondern an der verträumten, verschwommenen und umnebelten jüdischen Allgemeinkunst Schalem Aachs, der alles gerne aus der romantischen Froschperspektive dieser ipezifischjüdischen Kunst betrachtet. Der zweite und dritte Artikel sind unserem »Seide Mcndale« gewidmet. Ueber ihn wurde bei uns schon eine Menge geschrieben. Auch Baal Machschuwes hat im ersten Band seiner Schriften 2 Aufsätze über »Mendale« erscheinen lassen* Aber weder in diesen noch in denen des 3. Bandes ist das Wesentliche von Mendales Schaffen und Sehen berührt worden. Zuerst handelt ein ganzes Kapitel dieser jüngsten Arbeiten davon, daß unsere Welt heute so grundverschieden von der * Mendales*