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Die Freistatt · 1914-07-01 · Heft 4 (Juli 1914) · p. 243

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 4 (Juli 1914)
Article
Von der literarischen Kritik in der ostjüdischen Literatur
Date
1914-07-01
Page
243 (sequence 9)
Language
German
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J. A. Lftubetftki, Von der literarischen Kritik in der o»tjüdi»ehcn Literatur 243 Hmiiimmmiiiiiiinw ja nichts! Will $ic\x jemand wirklich über Mendale orientieren, dann möge er nur die Vierte selbst lesen. Die Kunst ist in dieser literarischen Kritik nicht besser dran als die Wissenschaft in der amerikanischen Populärphilosophie. Populär ist sie, das stimmt, aber Wissenschaft nicht unbedingt. Ja! Unsere literarische Kritik steht noch tiefer; weder weil? sie von literarischen noch von Dingen der Kritik. Oder ist es kritisch, wenn einer die Leser über Mendales Größe aufklären will und nichts mehr über ihn zu sagen weiß, als da£ er als Erster begonnen hat, die jüdische Masse innig und aufmerksam zu beobachten, Erbarmen für die jüdische Masse bewies, dal? er die Seele der jüdischen Masse erlebt hat u. a. schönes Gerede? ^olche inhaltslose Phrasen durfte ein wirklich kritischer Verstand gar nicht hinschreiben. Mendales Größe beruht also nur darauf, daß er ein großes und tiefes Erbarmen für die jüdische Masse bewies und auf den anderen oberwähnten Vorzügen. Es gibt aber doch viele Juden, die ebenfalls innig und aufmerksam die jüdische Masse beobachten und die ökonomische Not des jüdischen Volkes nicht weniger klar erfaßt haben, denselben scharfen Blick für seine Armut besitzen und ein großes und tiefes Erbarmen für die jüdische Masse und dazu noch die anderen Vorzüge, die Baal Machschuwes für Mendales Große verantwortlich macht. Woran liegt es, daß wir deren Größe nicht spüren? Warum steht uns diese im Verborgenen? Weil es auf ganz andere Dinge ankommt als auf solche Vorzüge. Wenn Mendale die Masse dieser Mitleidsjuden überragt, wertvoller ist als sie, dann beweist dies nur, daß er außer den ihm von Baal Machschuwes zugedachten Vorzügen etwas besitzt, was nur er allein hat, Fähigkeiten sein Eigen nennt, die ihn aus der Masse als »Mendale Moieher Sfurem« hervorragen lassen. Und eben diesen Fähigkeiten muß der Kritiker und Kunstkenner nachspüren und sie der Lesewelt zu erklären wissen. Baal Machschuwes vermag es nicht; das Können geht ihm ab. Schluß folgt. J. A. Loubetzki, Wien. Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker

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